Die Reserve Bank of Australia (RBA) treibt ihr Projekt für eine digitale Zentralbankwährung voran – mit Hedera Hashgraph als technologischem Partner. Das Projekt Acacia konzentriert sich dabei ausschließlich auf eine Großhandelsversion der digitalen Währung, während eine Variante für Privatnutzer vorerst nicht geplant ist.
Projekt Acacia testet tokenisierte Vermögenswerte
Die RBA arbeitet gemeinsam mit Hedera an einer Infrastruktur für tokenisierte Vermögenswerte und digitale Zahlungen im Großhandelsbereich. Neben Hedera sind weitere Technologiepartner wie Redbelly Network, R3 Corda und Canvas Connect sowie verschiedene EVM-kompatible Netzwerke beteiligt. Das Testumfeld umfasste 19 Anwendungsfälle mit echten Geld- und Vermögenswerttransaktionen sowie fünf Proof-of-Concept-Szenarien für simulierte Abläufe.
Die Testphase erstreckte sich über mehrere Monate und involvierte führende australische Finanzinstitute wie Commonwealth Bank, ANZ und Westpac. Diese Banken testeten verschiedene Szenarien, darunter grenzüberschreitende Zahlungen, Wertpapierabwicklungen und Liquiditätsmanagement. Die Ergebnisse zeigten signifikante Verbesserungen in der Transaktionsgeschwindigkeit und Kosteneffizienz im Vergleich zu herkömmlichen SWIFT-basierten Systemen.
Großhandels-CBDC bietet strukturelle Vorteile
Im Gegensatz zu Einzelhandels-CBDCs, die sich an Privatpersonen richten, fokussiert sich Australien auf Großhandels-CBDCs für Finanzinstitute. Diese ermöglichen atomare Abwicklungen – Transaktionen werden sofort und unumkehrbar abgeschlossen. Dadurch entfallen Zwischeninstanzen, was Kosten und Gegenparteirisiken reduziert. Für Länder mit bereits effizienten Zahlungssystemen wie Australien bietet dieser Ansatz klare Vorteile ohne gesellschaftliche Kontroversen.
Die Implementierung einer Großhandels-CBDC könnte die Abwicklungszeiten von derzeit zwei bis drei Tagen auf wenige Minuten reduzieren. Dies ist besonders relevant für den australischen Finanzmarkt, der täglich Transaktionen im Wert von über 200 Milliarden AUD abwickelt. Die RBA schätzt, dass durch die neue Technologie jährlich Kosten in Millionenhöhe eingespart werden könnten, da manuelle Prozesse und Zwischenschritte eliminiert werden.
Hedera Hashgraph als technologisches Rückgrat
Hedera bringt mit seiner asynchronen byzantinischen Fehlertoleranz (ABFT) ein hohes Sicherheitsniveau in das Projekt ein. Die Technologie kombiniert programmierbare Liquidität mit nahezu Echtzeit-Abwicklungen, was Großhandelstransaktionen einen erheblichen Effizienzschub verleiht. Diese Eigenschaften sind entscheidend für die Manipulationssicherheit und Zuverlässigkeit der Transaktionsverarbeitung.
Die Hedera-Plattform verarbeitet bis zu 10.000 Transaktionen pro Sekunde bei Kosten von weniger als einem Cent pro Transaktion. Im Vergleich zu anderen Blockchain-Netzwerken bietet Hedera eine deutlich bessere Energieeffizienz und Finalität. Die Hashgraph-Technologie erreicht Konsens ohne Mining, was sie besonders attraktiv für Zentralbanken macht, die auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit achten.
Internationale Zusammenarbeit und Standards
Das Projekt Acacia ist Teil einer breiteren internationalen Initiative zur Entwicklung von CBDC-Standards. Die RBA arbeitet eng mit der Bank for International Settlements (BIS) und anderen Zentralbanken zusammen, um Interoperabilität zwischen verschiedenen digitalen Währungen zu gewährleisten. Diese Kooperation ist entscheidend für grenzüberschreitende Zahlungen und die Zukunft des internationalen Finanzwesens.
Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Monetary Authority of Singapore und der Bank of England, die ähnliche Großhandels-CBDC-Projekte vorantreiben. Diese trilaterale Partnerschaft könnte den Grundstein für einen globalen Standard digitaler Zentralbankwährungen legen und die Effizienz internationaler Finanzströme revolutionieren.
Unterschiede zwischen Einzel- und Großhandels-CBDCs
Während Einzelhandels-CBDCs als digitales Bargeld für die breite Bevölkerung konzipiert sind, optimieren Großhandels-CBDCs bestehende Zahlungsinfrastrukturen zwischen Banken. Die australische Zentralbank sieht derzeit keinen Mehrwert in einer Einzelhandelsversion, da das Land bereits über effiziente und sichere Zahlungssysteme verfügt. Der Großhandelsansatz erneuert die technologische Basis des Finanzsystems, ohne in den privaten Zahlungsverkehr einzugreifen.
Australiens Entscheidung gegen eine Einzelhandels-CBDC reflektiert auch Bedenken bezüglich Datenschutz und finanzieller Privatsphäre. RBA-Gouverneur Philip Lowe betonte wiederholt, dass die Bank keine Notwendigkeit sieht, das bewährte Bargeld- und Kartensystem durch eine digitale Zentralbankwährung für Verbraucher zu ersetzen. Diese Position unterscheidet Australien von Ländern wie China, die aggressiv digitale Währungen für Privatnutzer vorantreiben.
Technische Herausforderungen und Lösungsansätze
Die Implementierung einer Großhandels-CBDC bringt verschiedene technische Herausforderungen mit sich. Dazu gehören Skalierbarkeit, Cybersicherheit und die Integration in bestehende Finanzinfrastrukturen. Hedera adressiert diese Probleme durch seine einzigartige Konsensalgorithmus-Architektur, die sowohl Geschwindigkeit als auch Sicherheit gewährleistet.
Ein weiterer kritischer Aspekt ist die Gewährleistung der Ausfallsicherheit. Das System muss 24/7 verfügbar sein und auch bei hohem Transaktionsvolumen stabil funktionieren. Die RBA hat daher umfangreiche Stresstests durchgeführt, die zeigten, dass die Hedera-basierte Lösung auch unter extremen Belastungen zuverlässig arbeitet.
Ausblick auf die Zukunft digitaler Zentralbankwährungen
Projekt Acacia zeigt, wie Zentralbanken pragmatisch an CBDC-Implementierungen herangehen können. Statt gesellschaftlich umstrittene Einzelhandelsversionen zu forcieren, konzentriert sich Australien auf konkrete Verbesserungen der Finanzmarktinfrastruktur. Dieser Ansatz könnte als Blaupause für andere entwickelte Volkswirtschaften dienen, die ähnliche technologische Modernisierungen anstreben, ohne bestehende Zahlungsgewohnheiten zu disrumpieren.
Die nächste Phase des Projekts sieht eine schrittweise Ausweitung auf weitere Anwendungsfälle vor, einschließlich programmierbare Zahlungen und Smart Contracts für komplexe Finanzinstrumente. Die RBA plant, bis Ende 2024 eine Entscheidung über die vollständige Implementierung zu treffen, wobei eine stufenweise Einführung ab 2025 möglich erscheint.