XRP steckt seit acht Monaten in einem hartnäckigen Abwärtstrend fest. Doch mehrere technische und On-Chain-Indikatoren erreichen aktuell Werte, die in der Vergangenheit oft mit nachhaltigen Trendwenden zusammenfielen. Besonders das Verhältnis zu Bitcoin und der MVRV-Z-Score deuten auf eine mögliche Bodenbildung hin. Die aktuelle Marktlage erinnert stark an frühere Phasen, in denen XRP nach längeren Korrekturphasen zu deutlichen Erholungen ansetzte.
Relative Stärke zu Bitcoin erreicht kritische Überverkauftheit
Das XRP/BTC-Handelspaar zeigt derart extreme Überverkauftheit, wie sie zuletzt im Herbst 2023 zu beobachten war. Der Relative-Stärke-Index fällt auf Werte unter 30, die historisch betrachtet oft den Startschuss für deutliche Erholungen markierten. In früheren Phasen führten solche extremen RSI-Werte zu kräftigen Kursanstiegen gegenüber Bitcoin von 50 bis 100 Prozent innerhalb weniger Wochen.
Gleichzeitig bewegt sich das Handelspaar weiterhin in einer langfristigen Seitwärtszone zwischen 0,0005 und 0,0008 BTC, die bereits mehrfach als Sprungbrett für spürbare Aufwärtsbewegungen diente. Diese technische Konstellation verstärkt die Signale für eine mögliche Trendwende. Besonders bemerkenswert ist, dass das XRP/BTC-Paar in den letzten drei Jahren dreimal von ähnlichen Niveaus aus signifikante Rallys startete.
Die Divergenz zwischen dem absoluten XRP-Preis und der relativen Performance zu Bitcoin deutet darauf hin, dass institutionelle Investoren möglicherweise bereits begonnen haben, Positionen aufzubauen. Whale-Aktivitäten zeigen vermehrte Akkumulation in den unteren Preisbereichen, was die technischen Signale zusätzlich untermauert.
MVRV-Z-Score signalisiert typische Akkumulationszone
Der MVRV-Z-Score von XRP liegt derzeit bei 0,12 und damit nahe der Nulllinie – ein Indikator, der in der Vergangenheit zuverlässig Akkumulationszonen markierte. Ein Wert um null bedeutet, dass viele Anleger sich etwa auf ihrem Einstiegskurs bewegen, wodurch der Verkaufsdruck abnimmt. Historische Daten zeigen, dass XRP bei MVRV-Z-Werten unter 0,5 oft nachhaltige Bodenbildungen vollzog.
Besonders relevant ist das 0,80-MVRV-Band, das historisch oft Marktböden markierte. Dieses Preisniveau entspricht aktuell etwa 1,14 US-Dollar – exakt dem 15-Monats-Tief vom 6. Februar. Ähnliche Konstellationen führten bereits 2021, 2022 und 2024 zu nachhaltigen Erholungen von durchschnittlich 180 Prozent über sechs Monate.
Die Network Value to Transactions Ratio (NVT) bestätigt diese Einschätzung und liegt mit 42,3 deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt von 65. Dies deutet darauf hin, dass XRP gemessen an seinem Transaktionsvolumen unterbewertet ist. Zusätzlich zeigt die 30-Tage-Volatilität mit 28 Prozent Werte, die typischerweise vor größeren Kursbewegungen auftreten.
Kritische Unterstützungszone bei 1,30 Dollar entscheidet
Technisch hängt die kurzfristige Entwicklung davon ab, ob XRP die Unterstützungszone zwischen 1,25 und 1,30 US-Dollar verteidigen kann. Seit Anfang Februar hat der Markt diesen Bereich mehrfach erfolgreich getestet, was dessen Relevanz unterstreicht. Die Zone fungiert als wichtige psychologische Marke und technische Unterstützung zugleich.
On-Chain-Daten zeigen, dass rund 1,73 Milliarden XRP in genau diesem Preisbereich den Besitzer wechselten – eine erhebliche Menge, die das Interesse institutioneller und privater Investoren an dieser Zone verdeutlicht. Diese Konzentration von Handelsaktivitäten schafft eine natürliche Unterstützung, da viele Marktteilnehmer ein Interesse daran haben, ihre Positionen zu verteidigen.
Das Volume Profile bestätigt diese Analyse und zeigt ein ausgeprägtes Volumen-Cluster zwischen 1,28 und 1,32 Dollar. Sollte XRP unter diese Zone fallen, wäre der nächste bedeutende Support erst bei 1,15 Dollar zu finden, was dem 200-Wochen-Simple Moving Average entspricht.
Institutionelle Aktivitäten und Marktstruktur
Die jüngsten Entwicklungen im institutionellen Bereich unterstützen die bullische These für XRP. Grayscale hat seine XRP-Holdings in den letzten Wochen aufgestockt, während mehrere Krypto-Fonds ihre Allokationen erhöht haben. Diese institutionelle Nachfrage könnte als Katalysator für eine Trendwende fungieren.
Gleichzeitig zeigt die Exchange-Flow-Analyse einen Netto-Abfluss von XRP von zentralisierten Börsen. In den letzten 30 Tagen verließen etwa 890 Millionen XRP die großen Handelsplätze, was auf eine zunehmende Akkumulation in privaten Wallets hindeutet. Dieses Muster ist typisch für Marktphasen vor größeren Aufwärtsbewegungen.
Technische Szenarien und Kursziele im Überblick
Solange XRP über 1,30 US-Dollar notiert, bleibt eine Erholung Richtung 1,45 US-Dollar technisch möglich. Für eine nachhaltige Trendwende müsste jedoch der Widerstand bei 1,61 US-Dollar überwunden werden. Dieser Bereich entspricht dem 61,8-Prozent-Fibonacci-Retracement der letzten großen Korrektur.
- Bullisches Szenario: Verteidigung der 1,30-Dollar-Zone und Anstieg auf 1,45 Dollar mit Ziel 1,80 Dollar
- Neutrales Szenario: Test der 1,15-Dollar-Zone am 200-Wochen-SMA mit seitwärts gerichteter Konsolidierung
- Bärisches Szenario: Bruch unter 1,15 Dollar könnte Rückfall auf 0,80 Dollar und Test der Allzeittief-Region auslösen
Die Fibonacci-Analyse zeigt weitere wichtige Niveaus bei 1,38 Dollar (38,2 Prozent) und 1,52 Dollar (50 Prozent), die als Zwischenziele fungieren könnten. Ein Durchbruch über 1,61 Dollar würde das Kursziel auf 2,10 Dollar erweitern, was dem nächsten bedeutenden Widerstandsbereich entspricht.
Markteinschätzung: Strukturelle Unterbewertung trifft auf technische Signale
Die Kombination aus extremer RSI-Überverkauftheit, MVRV-Z-Werten nahe null und der historisch bedeutsamen Unterstützungszone deutet auf eine strukturelle Unterbewertung hin. Allerdings benötigt XRP für eine echte Trendwende mehr als nur das Halten der aktuellen Niveaus. Die Marktkapitalisierung von derzeit 74 Milliarden Dollar liegt deutlich unter den Höchstständen von 2021, obwohl sich das fundamentale Umfeld für XRP verbessert hat.
Die aktuellen Indikatoren sprechen für eine mögliche Bodenbildung bei XRP, doch erst ein nachhaltiger Bruch über 1,61 US-Dollar würde das mittelfristige Chartbild grundlegend ändern. Bis dahin bleibt die Verteidigung der 1,30-Dollar-Marke entscheidend für die weitere Kursentwicklung. Anleger sollten dabei das Risk-Reward-Verhältnis im Auge behalten, das bei aktuellen Niveaus durchaus attraktiv erscheint.