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7,5 Milliarden Dollar Optionsverfall: Wie schwach die Krypto-Bullen wirklich sind

Bitcoin und Ethereum haben am 29. Mai einen der größten monatlichen Optionsverfälle des Jahres durchlaufen – und beide notierten dabei unter den…

Bitcoin und Ethereum haben am 29. Mai einen der größten monatlichen Optionsverfälle des Jahres durchlaufen – und beide notierten dabei unter den Marken, an denen die Bullen sie gern gesehen hätten. Insgesamt rund 7,5 Milliarden Dollar an Kontrakten liefen aus, in einer Woche, die von deutlichen Kursrückgängen geprägt war. Die Daten zeichnen das Bild eines Marktes, der Risiko abbaut, ohne neue Kaufkraft aufzubauen.

Die Zahlen im Überblick

Laut der Analyseplattform Greeks.live verfielen rund 84.000 Bitcoin-Optionen mit einem Nominalwert von 6,2 Milliarden Dollar sowie 639.000 Ethereum-Optionen über 1,28 Milliarden Dollar. Bei Bitcoin lag das Put-Call-Verhältnis bei 0,88, der sogenannte Max-Pain-Punkt bei 75.000 Dollar. Bei Ethereum standen ein Put-Call-Verhältnis von 0,81 und ein Max-Pain-Level von 2.200 Dollar zu Buche.

Eine Einordnung zum Begriff: Der “Max Pain”-Preis bezeichnet jene Marke, bei der die größte Zahl an Optionen wertlos verfällt – also den Punkt des maximalen Verlusts für die Käuferseite. Die Theorie besagt, dass Kurse zum Verfall häufig in Richtung dieses Niveaus tendieren, weil Stillhalter ihre Positionen entsprechend absichern. Sie ist unter Analysten umstritten und taugt nicht als Prognosewerkzeug, hilft aber, die Kräfteverhältnisse rund um einen Verfall zu lesen.

Bitcoin scheitert an der eigenen Schmerzgrenze

Entscheidend ist die Lage relativ zum Max Pain. Bitcoin war im Wochenverlauf unter 75.000 Dollar gefallen und notierte damit unterhalb seines Max-Pain-Levels. Das heißt im Klartext: Die Bullen schafften es nicht, den Kurs zum Verfall zurück an die zentrale Abrechnungsmarke zu ziehen. Vor dem Verfall war Bitcoin sogar bis in die Region um 73.000 Dollar gerutscht, begleitet von anhaltenden Abflüssen aus Spot-ETFs.

Bemerkenswert ist eine Nuance, die der reine Verfallsblick verdeckt: Bezogen auf das gesamte offene Interesse zeigte die Kontraktverteilung mit deutlich mehr Calls als Puts eine leicht bullische Grundtendenz der aktiven Teilnehmer – die größere Konzentration der Kontrakte sitzt auf höheren Strike-Niveaus. Die Marktteilnehmer wetten also weiterhin mehrheitlich auf haltende Unterstützungen, ohne sich massiv gegen einen tieferen Einbruch abzusichern. Das ist kein Zeichen von Panik, aber auch keines von Überzeugung.

Ethereum bleibt unter Druck

Ethereum handelte vor der Abrechnung unterhalb seiner Max-Pain-Marke von 2.200 Dollar und bewegte sich nahe der psychologisch wichtigen 2.000-Dollar-Linie. Damit gerieten zahlreiche bullische Positionen unter Druck, als der Markt weiter nachgab. Greeks.live verweist nun auf die 2.100-Dollar-Marke als nächste Bewährungsprobe: Erst eine Rückeroberung dieser Zone würde den kurzfristigen Druck mindern.

Was die Daten über die Stimmung verraten

Greeks.live beschreibt den Verfall als eine Form des “bearish unwinding” – eines Abbaus bullischer Positionen, bei dem große Bestände ausliefen, während Long-Trader die Schlüsselmarken nicht zurückerobern konnten. Bemerkenswert ist dabei, was nicht passierte: Extrem bärische Positionierung blieb aus. Beide Put-Call-Verhältnisse lagen unter 1, Puts überwogen also nicht deutlich. Der Markt ist nicht in Angststarre verfallen – er hat schlicht Risiko herausgenommen.

Untermauert wird das durch die Volatilität. Bitcoins implizite Volatilität fiel über die wichtigen Laufzeiten unter 35 Prozent, die von Ethereum unter 50 Prozent. Greeks.live erwartet, dass die kurzfristige implizite Volatilität nach dem Verfall weiter zurückgeht. Einzuordnen ist das als Markteinschätzung, nicht als gesicherte Vorhersage – bei scharfen Kursbewegungen kann sie schnell hinfällig sein.

Der Blick richtet sich auf Juni

Aufschlussreich ist die Verschiebung des offenen Interesses. Nur rund 20 Prozent der Optionen verfielen in diesem Monat; nach der Abrechnung stieg der Anteil der Juni-Kontrakte auf etwa 40 Prozent des offenen Interesses. Die nächste Positionierungsrunde dürfte damit die Richtung vorgeben. Die zentrale Frage lautet, ob nach dem Verfall frisches Kapital zurückkehrt – oder ob die Zurückhaltung anhält.

Entlastung ohne Erholung

Dieser Verfall hat den Markt nicht gerettet, aber auch nicht gebrochen. Er hat große Positionen aus dem System genommen, ohne starke Kaufnachfrage zurückzulassen – eine technische Entlastung, keine fundamentale Wende. Für eine echte Stimmungsaufhellung müsste Bitcoin die 75.000-Dollar-Marke zurückerobern und Ethereum über 2.100 Dollar steigen. Solange das nicht gelingt und parallel die ETF-Abflüsse anhalten, bleibt die Lage genau das, was die Daten zeigen: vorsichtig. Die leicht bullische Kontraktverteilung deutet an, dass die Marktteilnehmer auf eine Bodenbildung setzen – doch zwischen dieser Wette und ihrer Bestätigung steht der tatsächliche Kursverlauf der kommenden Wochen.

Dieser Beitrag dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Angaben zu Optionsdaten und Marktniveaus sind Momentaufnahmen und können sich rasch ändern. Investitionen in Kryptowährungen und digitale Vermögenswerte sind mit erheblichen Risiken verbunden, einschließlich des möglichen Totalverlusts des eingesetzten Kapitals. Leserinnen und Leser sollten eigene Recherchen anstellen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen.

⚠️ Risikohinweis

Die Inhalte auf online24.de stellen keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochriskante Anlagen. Bitte führe immer deine eigene Recherche durch (DYOR).

Michael Müller

Michael Müller ist seit vielen Jahren in der Welt der Kryptowährungen und Finanzmärkte zu Hause. Als ausgewiesener Krypto-Experte verbindet er tiefes Fachwissen mit praktischer Erfahrung im Trading von digitalen Assets, Devisen und klassischen Anlageklassen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Markttrends, regulatorischen Entwicklungen und technologischen Innovationen, die den Kryptomarkt nachhaltig prägen. Bei Online24.de liefert Michael Müller fundierte Artikel, praxisnahe Analysen und verständlich aufbereitete Ratgeber, die Einsteiger wie auch erfahrene Trader ansprechen. Dabei legt er besonderen Wert auf Transparenz, Risikoabwägung und realistische Strategien, um Lesern einen echten Mehrwert für ihre Investitionsentscheidungen zu bieten. Seine Beiträge zeichnen sich durch eine klare Sprache und praxisorientierte Beispiele aus. Mit seinem Know-how sorgt Michael Müller dafür, dass unsere Leser die Chancen und Risiken von Bitcoin, Ethereum, DeFi & Co. einschätzen können – und so im dynamischen Markt stets den Überblick behalten.

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