Binance weist Iran-Vorwürfe zurück: Milliardenfluss untersucht
Binance-CEO Richard Teng wehrt sich vehement gegen Vorwürfe, interne Ermittler entlassen zu haben, die Kryptowährungsströme in Milliardenhöhe mit möglichen Iran-Verbindungen untersuchten. Die weltgrößte Kryptobörse steht unter US-Prüfung und muss bis Februar einen internen Bericht vorlegen – ein Fall, der die Compliance-Standards der gesamten Branche in Frage stellt.
Ermittlungen decken Milliardenfluss über verdächtige Kanäle auf
Interne Prüfer identifizierten nach Medienberichten Transaktionen von über 1,7 Milliarden US-Dollar, die über Konten mit mutmaßlichen Verbindungen zu iranischen Organisationen liefen. Blessed Trust, ein Zahlungsdienstleister aus Hongkong, soll dabei als Hauptkanal für Überweisungen an Stellen gedient haben, die der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) nahestehen.
Besonders brisant: Die Untersuchungen wurden angeblich Wochen nach der Begnadigung von Ex-Binance-Chef Changpeng Zhao im Oktober 2025 abrupt gestoppt. Über 1.500 direkt aus dem Iran gesteuerte Konten gerieten ins Visier der Ermittler, die finanzielle Ströme an digitale Geldbörsen von Nahost-Organisationen verfolgten.
Die Komplexität der Transaktionsstrukturen deutet auf ein ausgeklügeltes System zur Verschleierung von Geldflüssen hin. Experten sprechen von “Layering-Techniken”, bei denen Gelder über mehrere Zwischenstationen geleitet werden, um ihre Herkunft zu verschleiern. Diese Methoden sind typisch für organisierte Versuche, internationale Sanktionen zu umgehen.
Compliance-Team präsentiert Ergebnisse – dann folgen Entlassungen
Das interne Compliance-Team legte die brisanten Erkenntnisse der Führungsebene vor, darunter CEO Richard Teng und Noah Perlman. Kurz darauf wurden mehrere Prüfer suspendiert und später entlassen – ein Vorgang, der Fragen zur Transparenz des Kontrollsystems aufwirft.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Blessed Trust allein soll für etwa 59 Prozent des verdächtigen Transaktionsvolumens verantwortlich gewesen sein, gefolgt von Hexa Whale Trading Limited mit rund 450 Millionen US-Dollar. Diese Konzentration auf wenige Akteure deutet auf systematische Umgehungsversuche hin.
Insider berichten, dass die entlassenen Ermittler bereits seit Monaten an dem Fall gearbeitet hatten und umfangreiche Dokumentationen erstellt hatten. Die plötzliche Beendigung ihrer Tätigkeit wirft Fragen über mögliche interne Interessenskonflikte auf. Branchenexperten sehen darin ein Muster, das bereits bei anderen großen Krypto-Börsen beobachtet wurde, wenn unbequeme Wahrheiten ans Licht kommen.
Binance kontert mit eigenen Compliance-Daten
Binance weist die Vorwürfe als “unvollständig und fehlerhaft” zurück und präsentiert eigene Zahlen: Die sanktionsbezogenen Risiken seien zwischen Januar 2024 und Juli 2025 um 96,8 Prozent gesunken. Die direkte Exposition gegenüber iranischen Krypto-Börsen sei von 4,19 Millionen auf nur noch 110.000 US-Dollar geschrumpft.
Das Unternehmen betont, dass sich keine der genannten Nutzer zum fraglichen Zeitpunkt auf offiziellen Sanktionslisten befanden. Zudem hätten die Transaktionen keine Warnsignale in den On-Chain-Überwachungssystemen ausgelöst, die branchenüblichen Standards entsprächen.
Binance verweist auf Investitionen von über 200 Millionen US-Dollar in Compliance-Systeme seit 2023. Das Unternehmen beschäftigt mittlerweile über 750 Mitarbeiter im Bereich Compliance und Risikomanagement – eine Verdreifachung gegenüber 2022. Diese Zahlen sollen demonstrieren, dass die Börse ihre Hausaufgaben gemacht hat.
US-Senator startet offizielle Untersuchung
Der Fall erreicht nun die höchste politische Ebene: US-Senator Richard Blumenthal hat ein offizielles Verfahren eingeleitet, um die Iran-Verbindungen zu prüfen. Binance muss dem US-Justizministerium bis zum 25. Februar einen detaillierten internen Bericht vorlegen – eine Frist, die den Druck auf die Börse erheblich erhöht.
Diese Entwicklung zeigt, wie ernst US-Behörden potenzielle Sanktionsumgehungen nehmen. Für Binance, das bereits 2023 eine Rekordstrafe von 4,3 Milliarden Dollar wegen Compliance-Verstößen zahlte, steht erneut die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel.
Die Untersuchung erfolgt vor dem Hintergrund verschärfter geopolitischer Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Washingtons Sanktionsregime gegen Teheran umfasst mittlerweile über 1.000 Einzelpersonen und Organisationen. Kryptowährungen gelten als potenzielle Schlupflöcher, da sie traditionelle Bankensysteme umgehen können.
Weitreichende Folgen für die Krypto-Branche
Der Fall verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen bei der Durchsetzung internationaler Sanktionen im dezentralen Kryptowährungssektor. Während traditionelle Banken durch etablierte Kontrollmechanismen überwacht werden, bleiben Compliance-Lücken bei Krypto-Börsen ein kritischer Punkt für Regulierer weltweit.
Die Vorwürfe gegen Binance könnten verschärfte Regulierungsmaßnahmen zur Folge haben und andere Börsen dazu zwingen, ihre Überwachungssysteme zu überdenken. Bereits jetzt reagieren Konkurrenten wie Coinbase und Kraken mit verstärkten Compliance-Maßnahmen, um ähnliche Vorwürfe zu vermeiden.
Regulierungsexperten erwarten, dass der Fall Binance als Präzedenzfall für künftige Untersuchungen dienen wird. Die Financial Action Task Force (FATF) arbeitet bereits an verschärften Richtlinien für Krypto-Börsen, die eine lückenlose Dokumentation aller Transaktionen verlangen könnten.
Ob Binance die Vorwürfe erfolgreich entkräften kann, wird nicht nur über das Schicksal der weltgrößten Kryptobörse entscheiden, sondern auch Standards für die gesamte Branche setzen. Der Ausgang könnte die Weichen für die Zukunft des regulierten Krypto-Handels stellen.
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Michael Müller
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