Bitcoin-Verlust bei koreanischer Polizei: 22 BTC verschwunden
Die südkoreanische Polizei steht vor einem peinlichen Dilemma: 22 beschlagnahmte Bitcoin im Wert von über zwei Millionen Dollar sind spurlos verschwunden. Der Fall offenbart gravierende Sicherheitsmängel bei der Verwahrung digitaler Beweismittel und wirft Fragen zur Kompetenz der Behörden im Umgang mit Kryptowährungen auf.
Externe Verwahrung führte zu Sicherheitslücke
Die Bitcoin wurden 2021 im Rahmen von Ermittlungen gegen eine koreanische Kryptowährungsbörse beschlagnahmt, jedoch nicht in behördeneigenen Wallets verwahrt. Stattdessen vertrauten die Ermittler die Kryptowährung einer externen Partei an – ein Verstoß gegen grundlegende Sicherheitsrichtlinien. Diese Entscheidung erwies sich als fatal: Das externe Wallet wurde kompromittiert und die Bitcoin gestohlen.
Besonders brisant: Der Verlust blieb jahrelang unentdeckt. Erst ein landesweiter Audit-Prozess brachte 2025 ans Licht, dass die digitalen Assets verschwunden waren. Diese Verzögerung deutet auf mangelnde interne Kontrollmechanismen hin und zeigt, dass die Polizei offenbar keine regelmäßigen Überprüfungen ihrer beschlagnahmten Krypto-Bestände durchführte.
Die betroffenen Bitcoin stammten ursprünglich aus einer größeren Beschlagnahmung von insgesamt 57 Bitcoin, die bei Ermittlungen gegen illegale Handelsaktivitäten sichergestellt wurden. Von diesen 57 BTC sind nun 22 unwiederbringlich verloren, was einem Anteil von fast 40 Prozent entspricht.
Seed-Phrase an Dritten weitergegeben
Die Ermittlungen zeigen ein erschreckendes Bild der Nachlässigkeit: Ein Unternehmensinterner mit Zugriff auf die kritischen Wallet-Zugangsdaten gab die Seed-Phrase an einen Mann namens Herr Jeong weiter. Offiziell sollte es sich um eine “Leihvereinbarung” handeln – eine Praxis, die jeder Krypto-Sicherheitslogik widerspricht.
Die Seed-Phrase, eine Folge von 12 oder 24 Wörtern, die den Zugang zu einem Krypto-Wallet ermöglicht, gilt als absolut vertraulich. Ihre Weitergabe entspricht der Übergabe des Tresorschlüssels an Unbefugte. Krypto-Experten bezeichnen dieses Vorgehen als “fundamentalen Sicherheitsverstoß”, der in professionellen Verwahrungsumgebungen niemals auftreten dürfte.
Die Gyeonggi Northern Provincial Police Agency nahm bereits zwei Verdächtige fest, die an der Weitergabe der sensiblen Daten beteiligt gewesen sein sollen. Die Behörden prüfen, ob finanzielle Anreize oder externer Druck die Beteiligten zu diesem Regelverstoß bewegten. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Beteiligten möglicherweise nicht vollständig über die Tragweite ihrer Handlungen informiert waren.
Korruption verschärft das Problem
Der Fall wird durch einen Korruptionsskandal zusätzlich belastet: Ein Ermittler, der ursprünglich den Hack der betroffenen Börse bearbeitete, wurde im August 2025 wegen Bestechung verurteilt. Er soll Geld für eine günstigere Bewertung des Falls angenommen haben – ein Verhalten, das die Glaubwürdigkeit der gesamten Untersuchung untergräbt.
Dieser Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Fälle ein: In einem Staatsanwaltschaftsbüro in Gwangju verschwanden sogar 320 Bitcoin im Wert von mehreren Millionen Dollar. Die Häufung solcher Vorfälle lässt systemische Probleme vermuten und deutet auf eine mangelnde Ausbildung der Beamten im Umgang mit digitalen Assets hin.
Die Korruptionsvorwürfe erstrecken sich auch auf andere Bereiche der koreanischen Krypto-Ermittlungen. Mehrere Beamte stehen unter Verdacht, Informationen über laufende Verfahren gegen Bezahlung weitergegeben zu haben. Diese Entwicklungen untergraben das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Integrität der Strafverfolgungsbehörden.
Technische Herausforderungen bei der Krypto-Verwahrung
Der Bitcoin-Verlust verdeutlicht die besonderen Herausforderungen bei der behördlichen Verwahrung von Kryptowährungen. Anders als bei traditionellen Beweismitteln erfordern digitale Assets spezielle technische Kenntnisse und Sicherheitsmaßnahmen. Cold Storage, Hardware-Wallets und Multi-Signature-Verfahren sind Standard-Sicherheitsmaßnahmen, die offenbar nicht implementiert wurden.
Experten fordern seit Jahren die Einrichtung spezialisierter Krypto-Verwahrungseinheiten bei Strafverfolgungsbehörden. Diese sollten über die notwendige technische Ausrüstung und das Fachwissen verfügen, um beschlagnahmte digitale Assets sicher zu verwahren. Die aktuellen Vorfälle zeigen, dass diese Forderungen berechtigt waren.
Die südkoreanische Regierung plant nun die Einführung strengerer Richtlinien für die Verwahrung beschlagnahmter Kryptowährungen. Dazu gehören verpflichtende Schulungen für Ermittler, die Verwendung zertifizierter Hardware-Wallets und regelmäßige Audits der verwahrten Bestände.
Internationale Auswirkungen und Lerneffekte
Der Fall hat internationale Aufmerksamkeit erregt und andere Länder dazu veranlasst, ihre eigenen Krypto-Verwahrungspraktiken zu überprüfen. Die US-amerikanischen Behörden, die über umfangreiche Erfahrungen mit der Verwahrung beschlagnahmter Bitcoin verfügen, haben ihre Bereitschaft zur Beratung signalisiert.
In Deutschland haben die Behörden bereits reagiert und ihre Sicherheitsprotokoll für digitale Assets verschärft. Das Bundeskriminalamt arbeitet an neuen Richtlinien, die eine externe Verwahrung ohne strenge Kontrollen ausschließen sollen.
Weitreichende Konsequenzen für Krypto-Verwahrung
Der Bitcoin-Verlust der koreanischen Polizei verdeutlicht ein grundlegendes Problem: Viele Strafverfolgungsbehörden sind technisch und organisatorisch nicht auf den Umgang mit Kryptowährungen vorbereitet. Die Delegation der Verwahrung an externe Dienstleister ohne ausreichende Kontrolle schafft unnötige Risiken.
Für die Krypto-Branche sendet der Fall ein fatales Signal: Wenn selbst Behörden ihre digitalen Assets nicht sicher verwahren können, wie sollen Privatanleger Vertrauen in die Technologie entwickeln? Die mangelnde Professionalität untergräbt die Legitimität behördlicher Krypto-Beschlagnahmungen.
Die südkoreanischen Behörden müssen nun nicht nur die verschwundenen Bitcoin aufklären, sondern auch ihre gesamten Verwahrungsprozesse überdenken. Ohne grundlegende Reformen drohen weitere peinliche Verluste – und ein nachhaltiger Vertrauensschaden in die staatliche Krypto-Kompetenz. Die Wiederherstellung des Vertrauens wird Jahre dauern und erhebliche Investitionen in Technologie und Ausbildung erfordern.