Circle zahlt 461 Millionen Dollar an Partner: USDC-Wachstum bei hohen Vertriebskosten
Circle, der Emittent des USDC-Stablecoins, hat im vierten Quartal 2024 einen bemerkenswerten Spagat zwischen starkem Wachstum und steigenden Kosten vollzogen. Von den 733 Millionen Dollar Reserveeinnahmen flossen 461 Millionen Dollar direkt an Vertriebspartner – ein Anteil von 63 Prozent, der die Abhängigkeit des Unternehmens von externen Plattformen verdeutlicht.
USDC-Umlauf steigt um 72 Prozent auf 75 Milliarden Dollar
Das Wachstum der USDC-Stablecoin war beeindruckend: Der Umlauf kletterte binnen Jahresfrist um 72 Prozent auf 75,3 Milliarden Dollar. Im Durchschnitt waren 76,2 Milliarden USDC ausstehend, was sogar einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahr entspricht. Diese Zahlen zeigen, dass USDC ihre Position als zweitgrößte Stablecoin nach Tether erfolgreich ausgebaut hat.
Die Marktkapitalisierung von USDC macht mittlerweile etwa 20 Prozent des gesamten Stablecoin-Marktes aus. Besonders in institutionellen Kreisen gewinnt USDC an Bedeutung, da die Transparenz und regulatorische Compliance von Circle höher bewertet werden als bei anderen Anbietern. Große Unternehmen wie Tesla, MicroStrategy und verschiedene traditionelle Finanzinstitute nutzen USDC für ihre Krypto-Transaktionen.
Allerdings sank die durchschnittliche Rendite auf die Reserven von 4,48 Prozent auf 3,8 Prozent. Diese Entwicklung spiegelt das veränderte Zinsumfeld wider und deutet auf künftige Herausforderungen hin, sollten die Leitzinsen weiter fallen.
Vertriebskosten bleiben konstant bei 63 Prozent der Einnahmen
Die Vertriebskosten von 461 Millionen Dollar resultierten hauptsächlich aus Zahlungen an Börsen, Wallets und Fintech-Unternehmen, die USDC ihren Nutzern zugänglich machen. Diese Partner erhalten prozentuale Vergütungen basierend auf Transaktionsvolumen oder verwahrten Beträgen.
Zu den wichtigsten Vertriebspartnern gehören große Kryptobörsen wie Coinbase, Binance und Kraken, sowie Payment-Anbieter und DeFi-Protokolle. Die Vergütungsstrukturen variieren je nach Partner: Während Börsen typischerweise 0,1 bis 0,3 Prozent der verwahrten USDC-Bestände erhalten, können spezialisierte Fintech-Partner höhere Provisionen aushandeln.
Bemerkenswert ist die Konstanz dieser Kostenstruktur: Über fünf Quartale hinweg lag der Anteil bei etwa 63 Prozent der Bruttoeinnahmen – unabhängig von Zinsschwankungen. Diese Stabilität zeigt einerseits verlässliche Partnerschaften, andererseits aber auch begrenzte Flexibilität bei Kostensenkungen.
Wachsende Plattformkonzentration birgt strategische Risiken
Ein kritischer Trend zeigt sich in der Konzentration auf wenige Schlüsselpartner: USDC-Token im Wert von 12,5 Milliarden Dollar lagen Ende 2024 auf Partnerplattformen – ein Anstieg um 459 Prozent. Das entspricht täglich gewichtet 17,8 Prozent des gesamten Umlaufs.
Diese Entwicklung verschiebt die Verhandlungsmacht zugunsten der Partner und erhöht Circles Abhängigkeit von deren strategischen Entscheidungen. Sollten große Plattformen künftig andere Stablecoins bevorzugen oder eigene Token entwickeln, könnte das Circles Geschäftsmodell erheblich beeinträchtigen.
Besonders problematisch ist die Abhängigkeit von wenigen Großkunden: Die fünf größten Partner generieren schätzungsweise über 40 Prozent der Vertriebskosten. Diese Konzentration macht Circle verwundbar gegenüber Vertragsänderungen oder dem Verlust wichtiger Partner. Gleichzeitig erschwert es Verhandlungen über günstigere Konditionen.
Zinssenkungen bedrohen künftige Margen
Das Geschäftsmodell von Stablecoin-Emittenten basiert darauf, Nutzereinlagen in konservative Anlagen wie kurzfristige Staatsanleihen zu investieren und die Zinserträge zu behalten. Circle hält dabei hohe Liquiditätsreserven, um jederzeit Rückzahlungen gewährleisten zu können.
Die Reserven bestehen zu etwa 80 Prozent aus US-Staatsanleihen mit Laufzeiten unter drei Monaten und zu 20 Prozent aus Bargeld bei regulierten Banken. Diese konservative Anlagestrategie minimiert Risiken, begrenzt aber auch die Renditechancen. Bei einem Zinssatz von 3,8 Prozent generiert Circle aktuell etwa 2,9 Milliarden Dollar Bruttoertrag pro Jahr.
Problematisch wird es, wenn die Zinsen sinken, während die Vertriebskosten konstant bleiben. Interne Modelle prognostizieren einen Rückgang der Nettomarge von derzeit 37 Prozent auf unter 30 Prozent bei fallendem Zinsniveau. Da die Fed weitere Zinssenkungen erwägt, steht Circle vor der Herausforderung, alternative Ertragsquellen zu erschließen oder die Kostenstruktur zu überdenken.
Regulatorische Entwicklungen als zusätzlicher Faktor
Parallel entwickeln sich die regulatorischen Rahmenbedingungen weiter. Der geplante GENIUS Act in den USA wird neue Compliance-Anforderungen für Zahlungs-Stablecoins einführen. Circle bereitet sich bereits auf diese Änderungen vor, was zusätzliche operative Kosten bedeuten könnte.
Gleichzeitig arbeitet Circle an der Expansion in neue Märkte wie Europa und Asien, wo unterschiedliche regulatorische Anforderungen zusätzliche Komplexität schaffen. Die MiCA-Regulierung in der EU erfordert beispielsweise spezielle Lizenzierungen und Kapitalanforderungen, die weitere Investitionen notwendig machen.
Strategische Alternativen zur Kostenoptimierung
Um die Abhängigkeit von Vertriebspartnern zu reduzieren, entwickelt Circle eigene Lösungen. Dazu gehören direkte APIs für Unternehmen, White-Label-Wallet-Lösungen und programmierbare Zahlungsdienste. Diese Initiativen könnten langfristig die Vertriebskosten senken, erfordern aber erhebliche Vorabinvestitionen.
Die Zahlen verdeutlichen ein Dilemma vieler Fintech-Unternehmen: Starkes Wachstum geht mit hohen Akquisitionskosten einher, während die Skalierungseffekte begrenzt bleiben. Circle hat erfolgreich USDC als führende Stablecoin etabliert, zahlt dafür aber einen hohen Preis an seine Vertriebspartner. In einem sich wandelnden Zinsumfeld wird die Fähigkeit entscheidend sein, entweder die Kostenstruktur zu optimieren oder neue Ertragsquellen zu erschließen, um die Profitabilität langfristig zu sichern.
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Michael Müller
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