GD Culture verkauft Bitcoin-Reserve für Aktienrückkauf
Die GD Culture Group (GDC) dreht ihre Bitcoin-Strategie um 180 Grad: Das börsennotierte Unternehmen für digitales Marketing und KI will seine gesamte Bitcoin-Reserve verkaufen, um ein 100-Millionen-Dollar-Aktienrückkaufprogramm zu finanzieren. Dieser Strategiewechsel kommt nur wenige Monate nach dem teuren Einstieg ins Krypto-Treasury-Geschäft und markiert einen der spektakulärsten Kurswechsel in der noch jungen Geschichte der Corporate-Bitcoin-Strategien.
Vom Bitcoin-Sammler zum Verkäufer in Rekordzeit
Erst im September 2025 hatte GDC durch die 875-Millionen-Dollar-Übernahme von Pallas Capital Holding 7.500 Bitcoin erworben. Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können: Der Einstieg erfolgte bei Bitcoin-Kursen zwischen 109.000 und 117.000 US-Dollar – nahe dem Markthöchststand. Heute notiert Bitcoin deutlich niedriger, was die Investition um etwa 41 Prozent ins Minus gedrückt hat.
Die Übernahme von Pallas Capital war ursprünglich als strategischer Schachzug gedacht, um GDC als innovatives Technologieunternehmen zu positionieren. Das Unternehmen argumentierte damals, dass Bitcoin als digitales Gold und Inflationsschutz dienen würde. Die Realität erwies sich jedoch als weitaus komplexer: Statt Stabilität brachte die Bitcoin-Position extreme Volatilität in die Bilanz.
Massive Bewertungsabschläge bei Bitcoin-Aktien
Die Zahlen verdeutlichen das Dilemma: Während GDCs Bitcoin-Reserve aktuell etwa 517,5 Millionen Dollar wert ist, beträgt die Marktkapitalisierung des Unternehmens nur 236,7 Millionen Dollar. Das entspricht einem mNAV-Multiple von 0,42 – die Aktie wird also mit einem Abschlag von 58 Prozent auf den Bitcoin-Bestand gehandelt. Solche Bewertungsabschläge sind typisch für Unternehmen, die als reine Bitcoin-Vehikel wahrgenommen werden.
Dieser Bewertungsabschlag ist ein bekanntes Phänomen am Markt. Investoren scheuen oft Unternehmen, die große Teile ihrer Bilanz in volatilen Kryptowährungen halten, da dies das operative Geschäft überschatten kann. Zusätzlich entstehen steuerliche Komplexitäten und regulatorische Unsicherheiten, die institutionelle Investoren abschrecken.
Aktienrückkauf als Ausweg aus der Bewertungsfalle
Mit dem geplanten Rückkaufprogramm über sechs Monate versucht GDC, den Bewertungsabschlag zu reduzieren. Die Logik: Weniger Aktien im Umlauf könnten den Kurs pro Aktie steigern, auch wenn das Unternehmen dabei seine wertvollsten Vermögenswerte verkauft. Der Markt honorierte die Ankündigung bereits mit einem deutlichen Kursanstieg – trotz des schwächelnden Kryptomarkts.
Das Rückkaufprogramm soll in mehreren Tranchen über sechs Monate abgewickelt werden, um Marktvolatilität zu minimieren. GDC plant, die Bitcoin-Verkäufe strategisch zu timen und dabei sowohl technische als auch fundamentale Marktanalysen zu berücksichtigen. Das Unternehmen hat angekündigt, externe Krypto-Handelsexperten zu beauftragen, um die bestmöglichen Verkaufspreise zu erzielen.
Auswirkungen auf das operative Geschäft
Abseits der Bitcoin-Strategie führt GDC weiterhin sein Kerngeschäft in den Bereichen digitales Marketing und künstliche Intelligenz fort. Das Unternehmen betreibt mehrere SaaS-Plattformen und hat in den letzten Quartalen stabile Umsätze aus diesen Geschäftsbereichen generiert. Die Bitcoin-Position hatte jedoch zunehmend die operative Performance überschattet und zu extremen Kursschwankungen geführt.
Analysten sehen in der Rückkehr zum Kerngeschäft eine Chance für GDC, wieder als Technologieunternehmen wahrgenommen zu werden. Die Bewertung könnte sich dadurch stabilisieren und weniger von den Krypto-Marktzyklen abhängig werden. Gleichzeitig verliert das Unternehmen jedoch die Möglichkeit, von einem potenziellen Bitcoin-Aufschwung zu profitieren.
Warnsignal für andere Bitcoin-Treasury-Unternehmen
GDCs Kehrtwende illustriert die Risiken der Corporate-Bitcoin-Strategie. Unternehmen wie MicroStrategy haben gezeigt, dass Bitcoin-Käufe in Bullenmärkten spektakuläre Gewinne bringen können. Doch der umgekehrte Fall – Käufe nahe Höchstständen – führt zu erheblichen Verlusten und Bewertungsproblemen. Die Liste der größten Bitcoin-Treasury-Inhaber wird damit um einen prominenten Namen ärmer.
Andere Unternehmen mit ähnlichen Strategien beobachten GDCs Vorgehen genau. Tesla, Block und weitere Firmen mit Bitcoin-Positionen müssen nun bewerten, ob ihre eigenen Treasury-Strategien angepasst werden sollten. Die Volatilität des Kryptomarkts macht langfristige Planungen schwierig und kann operative Entscheidungen beeinträchtigen.
GDCs Strategiewechsel zeigt, wie schnell sich Corporate-Bitcoin-Strategien ändern können, wenn der Marktdruck steigt. Für andere Unternehmen mit ähnlichen Plänen dürfte dieser Fall als Warnung dienen: Das Timing beim Bitcoin-Einstieg entscheidet oft über Erfolg oder Misserfolg der gesamten Treasury-Strategie. Die Episode unterstreicht auch die Bedeutung einer diversifizierten Treasury-Politik und die Risiken von Konzentration in einzelne volatile Anlageklassen.