Kalshi und Polymarket peilen 20-Milliarden-Bewertungen an
Der Markt für Prognoseplattformen steht vor einem möglichen Wendepunkt. Sowohl Kalshi als auch Polymarket arbeiten laut aktuellen Berichten an neuen Finanzierungsrunden, die beide Unternehmen jeweils mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewerten könnten. Das wäre in beiden Fällen ein deutlicher Sprung gegenüber den zuletzt bekannten Bewertungen und würde den Sektor endgültig aus der Nische in die Liga der großen Tech- und Fintech-Storys katapultieren.
Prognosemärkte galten lange als Spezialsegment für Politik-Nerds, Wettfans und Krypto-Interessierte. Inzwischen sind sie zu einer deutlich größeren Bühne geworden. Nutzer handeln dort nicht nur auf Wahlausgänge oder Sportereignisse, sondern auch auf wirtschaftliche Entwicklungen, Kulturthemen und geopolitische Fragen. Genau diese Mischung aus Wette, Marktsignal und Informationsaggregation macht das Feld für Investoren plötzlich so attraktiv. Diese Einordnung ist eine redaktionelle Bewertung auf Basis der aktuellen Finanzierungsberichte und der Plattformmodelle.
Kalshi wächst als regulierte US-Plattform besonders schnell
Kalshi hat sich im US-Markt die bislang stärkste regulierte Position aufgebaut. Das Unternehmen erhielt 2020 die Genehmigung der CFTC und operiert damit als legal zugelassene Event-Market-Plattform in den Vereinigten Staaten. Laut Wall Street Journal liegt der Umsatz-Run-Rate-Wert inzwischen bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar, was erklärt, warum Investoren dem Unternehmen nun deutlich höhere Bewertungen zutrauen.
Wichtig ist dabei auch der Blick auf die zuletzt bekannten Finanzierungsdaten. Kalshi selbst meldete im Oktober 2025 eine Bewertung von 5 Milliarden US-Dollar nach einer Finanzierung über 300 Millionen US-Dollar. Reuters bestätigte diese Runde ebenfalls und nannte Sequoia sowie Andreessen Horowitz als führende Investoren. Die oft zitierte 30-Millionen-Runde unter Führung von Sequoia stammt dagegen aus dem Jahr 2021 und war eine Series A, nicht die jüngste Series B.
Damit wird auch klar: Einige ältere Zahlen, die noch oft in Umlauf sind, zeichnen inzwischen ein veraltetes Bild. Kalshi ist heute deutlich größer und für institutionelle Investoren interessanter, gerade weil das Unternehmen regulatorisch sauberer aufgestellt ist als viele Wettbewerber.
Polymarket will den Sprung in den regulierten US-Markt schaffen
Bei Polymarket ist die Lage komplexer. Die Plattform ist international stark gewachsen, bleibt für US-Nutzer in ihrer bisherigen Form regulatorisch problematisch und arbeitet laut Wall Street Journal an einer US-konformen Version. Das ist strategisch entscheidend, weil genau dieser Schritt darüber mitentscheiden dürfte, ob Polymarket die nächste Bewertungsstufe tatsächlich erreicht.
Ein zentraler Baustein ist die Partnerschaft mit Intercontinental Exchange (ICE), dem Eigentümer der New York Stock Exchange. ICE kündigte im Oktober 2025 an, bis zu 2 Milliarden US-Dollar in Polymarket zu investieren. Die damals kommunizierte Bewertung lag bei rund 8 Milliarden US-Dollar pre-money. Berichte über 9 Milliarden US-Dollar kursierten später ebenfalls, doch die offiziell greifbare ICE-Mitteilung nennt 8 Milliarden pre-money.
Genau deshalb ist Vorsicht bei einzelnen Bewertungszahlen wichtig. Der Trend ist eindeutig nach oben, aber je nach Quelle beziehen sich Angaben auf pre-money, post-money oder sekundäre Marktindikationen. Die Grundaussage bleibt trotzdem dieselbe: Polymarket hat sich vom Krypto-Nischenprojekt zu einem potenziellen Schwergewicht entwickelt.
Insiderhandels-Vorwürfe belasten vor allem Polymarket
Parallel zum Wachstum verschärft sich aber auch die Debatte um Marktintegrität. In den vergangenen Wochen berichteten mehrere Medien über auffällig gut getimte Trades auf Prognosemärkten, insbesondere auf Polymarket. Barron’s verwies zuletzt auf wiederholte Fälle verdächtiger Wetten kurz vor sensiblen geopolitischen oder politischen Ereignissen und hob hervor, dass Polymarket keine so klaren Insiderhandels-Verbote kommuniziert wie Kalshi.
Auch rund um einen Axiom-bezogenen Markt wurden jüngst Wallets identifiziert, die laut Berichten kurz vor belastenden Veröffentlichungen Gewinne von mehr als 1,2 Millionen US-Dollar erzielt haben sollen. Zusätzlich sorgte ein viel diskutierter Trade auf die Absetzung beziehungsweise Festnahme von Nicolás Maduro für Aufsehen, bei dem Berichte von rund 400.000 bis 410.000 US-Dollar Gewinn sprechen. Diese Fälle sind öffentlich diskutiert, aber nicht in allen Details offiziell bestätigt oder abschließend regulatorisch bewertet.
Gerade dieser Punkt ist für Investoren heikel. Denn hohe Wachstumsraten helfen nur dann dauerhaft, wenn zugleich Vertrauen in die Marktstruktur besteht. Genau hier hat Kalshi aktuell einen Reputationsvorteil, weil die Plattform stärker auf klassische Regulierung und Überwachung setzt.
Regulierungsdruck wächst in einer entscheidenden Phase
Hinzu kommt, dass die politische und regulatorische Aufmerksamkeit rund um Prognosemärkte derzeit spürbar zunimmt. Das Wall Street Journal berichtet, dass US-Gesetzgeber bereits an Einschränkungen für sensible Märkte etwa zu Krieg oder Sport arbeiten. Damit geraten beide Plattformen in einer Phase massiver Wachstumsambitionen zugleich stärker unter Beobachtung.
Für Kalshi und Polymarket ist das ein Balanceakt. Einerseits wächst das Interesse von Nutzern, Medien und Investoren rasant. Andererseits nimmt mit jeder größeren Finanzierungsrunde auch der Druck zu, Regeln, Transparenz und Marktaufsicht glaubwürdig auszugestalten. Gerade Polymarket muss beweisen, dass ein regulierter US-Ausbau nicht nur technisch, sondern auch reputationsseitig funktioniert. Diese Einschätzung ist eine journalistische Einordnung auf Basis der aktuellen Berichte.
Prognosemärkte stehen vor ihrer bislang größten Bewährungsprobe
Die 20-Milliarden-Marke ist für beide Unternehmen noch nicht erreicht. Aber dass sie inzwischen überhaupt realistisch diskutiert wird, zeigt, wie stark sich der Markt in kurzer Zeit verändert hat. Kalshi bringt regulatorische Glaubwürdigkeit und wachsende Umsätze mit. Polymarket bringt Reichweite, Markenstärke und enorme Aufmerksamkeit aus dem Krypto- und Politikumfeld mit.
Ob daraus tatsächlich die nächste große Fintech-Kategorie entsteht, hängt jetzt vor allem an zwei Fragen: Wie robust sind die Geschäftsmodelle unter schärferer Regulierung, und wie glaubwürdig lösen die Plattformen die Debatte um Marktintegrität? Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, ob Prognosemärkte vom Hype-Thema zur dauerhaften Tech-Macht aufsteigen.