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SEC lässt Paxos als erste „Blockchain-native” Clearingstelle zu — mit einem entscheidenden Vorbehalt

Die US-Börsenaufsicht SEC hat dem Krypto-Infrastrukturanbieter Paxos eine Tür geöffnet, die der Branche bislang verschlossen war: Dessen Tochter Paxos Securities Settlement Company…

Die US-Börsenaufsicht SEC hat dem Krypto-Infrastrukturanbieter Paxos eine Tür geöffnet, die der Branche bislang verschlossen war: Dessen Tochter Paxos Securities Settlement Company (PSSC) ist als Clearingstelle registriert worden – nach eigenen Angaben als erste und einzige “blockchain-native” Firma, die diese Rolle in den USA ausfüllen darf. Das klingt nach einem Durchbruch, und in mancher Hinsicht ist es einer. Doch ein Detail, das in der ersten Euphorie untergeht, verdient besondere Aufmerksamkeit: Die Zulassung ist ausdrücklich vorläufig.

Was eine Clearingstelle eigentlich tut

Um die Tragweite zu verstehen, lohnt ein Blick auf die unsichtbare Mechanik der Finanzmärkte. Käufer und Verkäufer von Wertpapieren handeln nicht direkt miteinander. Dazwischen steht eine Clearing- und Settlement-Infrastruktur, die den Handel verifiziert, Käufer und Verkäufer einander zuordnet und sicherstellt, dass der tatsächliche Austausch von Geld und Wertpapieren korrekt abläuft. Diese “financial plumbing” – die Rohrleitungen des Finanzsystems – ist hochreguliert und wird in den USA von wenigen etablierten Akteuren dominiert.

Genau hier setzt die Registrierung an: Sie erfolgte nach Section 17A des Securities Exchange Act von 1934 und erlaubt PSSC, als zentrale Wertpapierverwahrstelle (Central Securities Depository) für zulässige Wertpapiere zu agieren. Damit kann blockchainbasierte Abwicklung erstmals unter dem vollen Regelwerk der SEC stattfinden – nicht mehr nur im Rahmen begrenzter Pilotversuche.

Der Vorbehalt, der alles relativiert

Hier ist die journalistische Sorgfalt entscheidend, die die Paxos-Mitteilung selbst nicht leistet: Die SEC-Anordnung bezeichnet die Registrierung ausdrücklich als temporär. Paxos darf zwar bereits operieren, doch die regulatorische Arbeit ist damit nicht abgeschlossen. Eine vorläufige Zulassung ist kein Dauerzustand – sie kann mit Auflagen verbunden sein, überprüft und im Zweifel auch zurückgenommen werden. Wer die Meldung als endgültigen Ritterschlag liest, überzeichnet sie. Korrekt ist: Paxos hat einen seltenen Fuß in der Tür der regulierten US-Wertpapierinfrastruktur – aber die Tür ist noch nicht verriegelt.

Sieben Jahre Weg – und eine bewegte Vorgeschichte

Der Schritt ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Paxos-Mitgründer und CEO Charles Cascarilla verweist auf sieben Jahre Arbeit mit der SEC, beginnend mit einem No-Action-Letter von 2019. Im Februar 2020 startete daraufhin ein Pilotprojekt zur blockchainbasierten Abwicklung von US-Aktien, an dem nach Unternehmensangaben einige der weltweit größten Finanzinstitute teilnahmen. Der Pilot habe gezeigt, dass eine solche Post-Trade-Infrastruktur taggleiche Abwicklung, geringere Kosten und höhere operative Effizienz innerhalb eines vollregulierten Rahmens liefern könne.

Bemerkenswert ist der Kontrast zur jüngeren Vergangenheit. Unter dem früheren SEC-Vorsitzenden Gary Gensler hatte Paxos ein deutlich raueres Verhältnis zur Behörde: 2023 erhielt das Unternehmen einen Wells Notice, mit dem die SEC eine Durchsetzungsmaßnahme wegen der Ausgabe des an die Börse Binance gekoppelten Stablecoins Binance USD (BUSD) andeutete, den sie als nicht registriertes Wertpapier einstufte. Etwa zeitgleich wies die New Yorker Finanzaufsicht NYDFS Paxos an, kein neues BUSD mehr zu prägen. Die SEC schloss ihre Untersuchung 2024 ohne Maßnahme ab; mit der NYDFS einigte sich Paxos im August 2025 auf einen Vergleich über 48,5 Millionen Dollar. Dass dieselbe Behörde nun eine Clearing-Registrierung erteilt, illustriert den Stimmungswandel in der US-Regulierung – von der Konfrontation hin zur Integration.

Der eigentliche Gegner heißt DTCC

Die strategische Dimension erschließt sich erst im Wettbewerbskontext. Paxos tritt nicht in einen leeren Markt ein, sondern gegen die etablierte Post-Trade-Infrastruktur – allen voran die Depository Trust & Clearing Corporation (DTCC), die das US-Wertpapier-Settlement praktisch monopolartig abwickelt, daneben Schwergewichte wie Nasdaq und NYSE. Das Rennen um die Modernisierung dieser Infrastruktur beginnt gerade erst.

Genau darin liegt die Wette von Paxos: Eine SEC-registrierte Blockchain-Clearingstelle senkt die Hürden für Banken und Broker, eigene kryptobasierte Infrastruktur zu bauen. Wenn taggleiche Abwicklung, niedrigere Kosten und programmierbare Settlement-Prozesse sich als überlegen erweisen, könnte das die jahrzehntealte Mechanik des Post-Trade-Geschäfts aufbrechen. Paxos, bislang vor allem als Stablecoin-Emittent von PayPal USD (PYUSD), Global Dollar (USDG) und Pax Gold (PAXG) bekannt, positioniert sich damit als Anbieter regulierter Finanzmarkt-Infrastruktur – ein deutlich größeres und lukrativeres Feld.

Bedeutender Präzedenzfall, kein vollendeter Umbruch

Die Registrierung ist ein realer Meilenstein. Sie verschiebt blockchainbasiertes Settlement von der Kategorie “Experiment” in die Kategorie “regulierte Marktinfrastruktur” – und sie signalisiert, dass die SEC unter neuer Führung bereit ist, Krypto-Akteure in den Kern des Finanzsystems zu lassen. Für die Konvergenz von traditioneller Finanzwelt und Blockchain ist das ein Wegmarke.

Zugleich gebietet die nüchterne Lesart Zurückhaltung. Die Zulassung ist vorläufig, der eigentliche Wettbewerb gegen tief verankerte Monopolstrukturen steht noch bevor, und ob Banken und Broker tatsächlich in nennenswertem Umfang auf blockchainbasiertes Clearing umsteigen, ist eine Frage der kommenden Jahre, nicht der kommenden Wochen. Paxos hat den Zugang erkämpft – ob daraus eine Verschiebung der Machtverhältnisse im Post-Trade-Geschäft wird oder eine regulatorisch geduldete Nische bleibt, entscheidet sich erst im realen Betrieb. Der Präzedenzfall ist gesetzt; der Umbruch ist es noch nicht.

⚠️ Risikohinweis

Die Inhalte auf online24.de stellen keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochriskante Anlagen. Bitte führe immer deine eigene Recherche durch (DYOR).

Michael Müller

Michael Müller ist seit vielen Jahren in der Welt der Kryptowährungen und Finanzmärkte zu Hause. Als ausgewiesener Krypto-Experte verbindet er tiefes Fachwissen mit praktischer Erfahrung im Trading von digitalen Assets, Devisen und klassischen Anlageklassen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Markttrends, regulatorischen Entwicklungen und technologischen Innovationen, die den Kryptomarkt nachhaltig prägen. Bei Online24.de liefert Michael Müller fundierte Artikel, praxisnahe Analysen und verständlich aufbereitete Ratgeber, die Einsteiger wie auch erfahrene Trader ansprechen. Dabei legt er besonderen Wert auf Transparenz, Risikoabwägung und realistische Strategien, um Lesern einen echten Mehrwert für ihre Investitionsentscheidungen zu bieten. Seine Beiträge zeichnen sich durch eine klare Sprache und praxisorientierte Beispiele aus. Mit seinem Know-how sorgt Michael Müller dafür, dass unsere Leser die Chancen und Risiken von Bitcoin, Ethereum, DeFi & Co. einschätzen können – und so im dynamischen Markt stets den Überblick behalten.

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