VanEck beantragt ersten Liquid-Staking-ETF für JitoSOL
Die Nasdaq hat einen Antrag für den VanEck JitoSOL ETF eingereicht, der als erster börsengehandelter Fonds auf einem Liquid-Staking-Token basieren würde. Das Produkt soll JitoSOL abbilden, einen Token des Solana-Netzwerks, der gestakte SOL-Token mit automatisch aufgelaufenen Staking-Erträgen kombiniert. Sollte die Genehmigung erfolgen, könnten US-Investoren erstmals direkt in Liquid-Staking-Produkte über regulierte ETFs investieren. Der Antrag markiert einen bedeutsamen Schritt in der Evolution von Krypto-ETFs, da er über reine Spot-Produkte hinausgeht und aktive Blockchain-Partizipation ermöglicht.
Liquid Staking revolutioniert traditionelles Blockchain-Staking
Liquid Staking löst ein fundamentales Problem herkömmlicher Proof-of-Stake-Netzwerke: die Illiquidität gestakter Vermögenswerte. Während Anleger bei klassischem Staking ihre Token für Wochen oder Monate sperren müssen, erhalten sie beim Liquid Staking handelbare Token als Gegenwert. JitoSOL vom Jito Network funktioniert nach diesem Prinzip und bildet gestakte SOL-Token inklusive aufgelaufener Belohnungen ab. Der Tokenwert steigt dadurch kontinuierlich, ohne dass Nutzer auf Liquidität verzichten müssen.
Das Konzept ermöglicht es Anlegern, gleichzeitig von Staking-Belohnungen zu profitieren und ihre Positionen flexibel zu handeln. Im Solana-Netzwerk beträgt die durchschnittliche Staking-Rendite aktuell etwa 6-8% jährlich, wobei JitoSOL-Inhaber zusätzlich von MEV-Erträgen (Maximal Extractable Value) profitieren. Diese entstehen durch die Optimierung von Transaktionsreihenfolgen und können die Gesamtrendite erheblich steigern.
ETF-Struktur setzt auf Transparenz durch Index-Ansatz
Der geplante VanEck-Fonds würde seine Anteile auf Basis eines Index bewerten, der Durchschnittspreise verschiedener Handelsplattformen nutzt. Diese Methodik soll Preismanipulationen vorbeugen und faire Bewertungen gewährleisten. VanEck argumentiert in seinem Antrag, dass JitoSOL wirtschaftlich eng mit SOL korreliert und daher als vergleichbare Anlage behandelt werden kann – ein wichtiger Punkt für die regulatorische Bewertung.
Die Indexmethodik würde Preisdaten von etablierten Krypto-Börsen wie Coinbase, Binance und anderen großen Handelsplattformen aggregieren. Durch diese Diversifizierung der Preisquellen soll verhindert werden, dass einzelne Börsen den ETF-Preis unverhältnismäßig beeinflussen können. VanEck plant zudem regelmäßige Audits der zugrunde liegenden JitoSOL-Bestände, um die Transparenz für institutionelle Investoren zu gewährleisten.
Bestehende Staking-ETFs zeigen wachsende Nachfrage
Obwohl noch kein reiner Liquid-Staking-ETF existiert, haben mehrere Anbieter bereits Staking-Komponenten in ihre Produkte integriert. Der REX-Osprey Solana + Staking ETF kombiniert seit Juli Solanas Spotpreis mit On-Chain-Staking-Belohnungen. Ähnlich funktioniert der REX-Osprey ETH + Staking ETF, der monatliche Ausschüttungen aus Ethereum-Staking bietet. Auch Grayscale erweitert bestehende Trusts um Staking-Funktionen, darunter den Ethereum Mini Trust ETF und den Solana Trust.
Diese Produkte haben bereits beträchtliche Mittelzuflüsse verzeichnet, was das wachsende Interesse institutioneller Anleger an Staking-Erträgen unterstreicht. Der REX-Osprey Ethereum + Staking ETF verwaltet mittlerweile über 50 Millionen US-Dollar, während sein Solana-Pendant ebenfalls starke Nachfrage verzeichnet. Die Erfolgsgeschichte dieser hybriden Produkte ebnet den Weg für spezialisierte Liquid-Staking-ETFs wie den geplanten VanEck-Fonds.
Regulatorische Hürden bleiben komplex
Die US-Aufsichtsbehörden prüfen jeden Staking-bezogenen ETF individuell, da die regulatorische Einordnung von Staking-Aktivitäten weiterhin ungeklärt ist. Während bestimmte Staking-Vorgänge nicht als Wertpapierangebote gelten, fehlen einheitliche Regelungen. Die SEC betrachtet Staking kritisch, insbesondere wenn es um zentralisierte Anbieter geht, die Staking-Services für Dritte erbringen.
VanEck muss in seinem Antrag detailliert darlegen, wie JitoSOL regulatorisch einzuordnen ist und welche Compliance-Maßnahmen implementiert werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Frage, ob die MEV-Erträge als Wertpapierausschüttungen zu behandeln sind. In Europa zeigt sich bereits mehr Offenheit: 21Shares lancierte im Januar ein strukturiertes Produkt auf Jito-gestaktem Solana, das europäischen Anlegern den Zugang zu diesem Markt ermöglicht.
Jito Network etabliert sich als DeFi-Schwergewicht
Das Jito-Protokoll hat sich zu einem bedeutenden Player im Solana-Ökosystem entwickelt. Mit einer Total Value Locked von aktuell 1,1 Milliarden US-Dollar laut DefiLlama rangiert es unter den größten DeFi-Protokollen auf Solana. Zeitweise lag dieser Wert 2025 sogar über 3 Milliarden US-Dollar, was die wachsende Akzeptanz von Liquid-Staking-Lösungen unterstreicht.
Jito unterscheidet sich von anderen Liquid-Staking-Anbietern durch seine MEV-Integration, die zusätzliche Erträge für Token-Inhaber generiert. Das Protokoll arbeitet mit einem Netzwerk von Validatoren zusammen, die durch optimierte Block-Produktion höhere Belohnungen erzielen. Diese technische Sophistication macht JitoSOL zu einem attraktiven Underlying für einen ETF, da es sowohl Basis-Staking-Erträge als auch MEV-Prämien kombiniert.
Marktpotential und Zukunftsaussichten
Der globale Liquid-Staking-Markt wächst rasant und könnte laut Branchenanalysten bis 2027 ein Volumen von über 100 Milliarden US-Dollar erreichen. Ethereum dominiert derzeit mit Protokollen wie Lido, doch Solana-basierte Lösungen holen schnell auf. Ein genehmigter JitoSOL-ETF könnte erhebliche institutionelle Mittel in das Solana-Ökosystem lenken und die Adoption von Liquid-Staking beschleunigen.
Für VanEck wäre eine Genehmigung ein strategischer Coup, da das Unternehmen bereits mit erfolgreichen Bitcoin- und Ethereum-ETFs etabliert ist. Die Kombination aus VanEcks ETF-Expertise und Jitos technischer Innovation könnte ein Produkt schaffen, das sowohl institutionelle als auch private Anleger anspricht.
Der VanEck-Antrag könnte einen Wendepunkt für institutionelle Krypto-Investments markieren. Sollte die Genehmigung erfolgen, würden Liquid-Staking-ETFs eine neue Anlageklasse etablieren, die sowohl Kursgewinne als auch Staking-Erträge in einem regulierten Produkt vereint. Für das noch junge Liquid-Staking-Segment wäre dies ein wichtiger Schritt hin zur Mainstream-Akzeptanz und könnte weitere Anbieter ermutigen, ähnliche Produkte zu entwickeln.