Über uns Redaktion Affiliate Do., 4. Juni 2026
✓ Redaktionell geprüft ⚠ Keine Anlageberatung 📰 Seit 2014
LIVE
BTC €54.294,00 -5,94% ETH €1.515,99 -6,15% BNB €513,2100 -7,06% XRP €0,99550 -6,63% SOL €58,9600 -8,71% TRX €0,28168 -1,51% DOGE €0,07537 -6,71% ADA €0,16300 -12,68% BTC €54.294,00 -5,94% ETH €1.515,99 -6,15% BNB €513,2100 -7,06% XRP €0,99550 -6,63% SOL €58,9600 -8,71% TRX €0,28168 -1,51% DOGE €0,07537 -6,71% ADA €0,16300 -12,68%
Alle Kurse →
Crash

Bitcoin hat seinen Momentum-Handel verloren – was die These von Charles Schwab wirklich taugt

Bitcoin hat im vergangenen Monat mehr als 16 Prozent verloren, während der S&P 500 im selben Zeitraum rund 5 Prozent zulegte. Diese…

Bitcoin hat im vergangenen Monat mehr als 16 Prozent verloren, während der S&P 500 im selben Zeitraum rund 5 Prozent zulegte. Diese Divergenz ist bemerkenswert – und sie ruft Erklärungsversuche auf den Plan. Einer davon stammt von Jim Ferraioli, Director of Digital Currencies Research and Strategy beim US-Broker Charles Schwab. Seine These: Nicht kryptospezifische Probleme treiben den Abverkauf, sondern die Tatsache, dass Anleger ihr spekulatives Kapital schlicht anderswo einsetzen. Wir ordnen ein, prüfen die Argumente auf ihre Tragfähigkeit und bewerten, was an der Erzählung dran ist – und was nicht.

Die Kernthese im Faktencheck

Ferraioli formuliert es zugespitzt: Bitcoin befinde sich seit Oktober in einem Bärenmarkt. Die zugrundeliegenden Zahlen stützen diese Lesart zumindest in der Tendenz. Bitcoin hat es trotz einer Reihe positiver Entwicklungen nicht geschafft, eine nachhaltige Rallye zu produzieren. Im zurückliegenden Jahr erhielt die Branche Spot-ETF-Zulassungen, zog Milliarden institutionellen Kapitals an und kam regulatorischer Klarheit in Washington näher. Dennoch blieb der erhoffte spekulative Schub aus.

Faktisch korrekt ist auch die Beobachtung zu den Mittelabflüssen. Nach zuvor berichteten Daten verzeichneten die US-amerikanischen Spot-Bitcoin-ETFs am 2. Juni Nettoabflüsse von 483 Millionen Dollar und verlängerten damit eine elf Handelstage andauernde Abzugsserie, die den Produkten mehr als 3,4 Milliarden Dollar entzog. Ein einzelner Großtransfer fällt dabei besonders auf: Am 26. Mai registrierte der Spot-Bitcoin-ETF IBIT von BlackRock eine außerbörsliche Blocktransaktion über 1,26 Milliarden Dollar. Die Analysefirma NYDIG deutete diesen Vorgang als einen Großanleger, der seine Bitcoin-Position rasch reduzierte – nicht als routinemäßige Auflösung einer Hedgefonds-Strategie. So weit die belastbaren Fakten.

Wohin das Kapital tatsächlich fließt

Interessanter als die Bestandsaufnahme ist Ferraiolis Erklärungsmodell. Seine zentrale Aussage – Krypto-Investoren folgten historisch dem Momentum, und das Momentum liege derzeit außerhalb von Krypto – ist plausibel und durch das Marktverhalten der vergangenen Monate gut belegt. Kapital bewegte sich zuletzt durch Gold, Rohstoffe und Aktien. Als dominierende Erzählung identifiziert Ferraioli künstliche Intelligenz: Unternehmen rund um KI-Infrastruktur, Hochleistungsrechnen und den Ausbau von Rechenzentren lieferten starke Renditen.

Diese Einordnung deckt sich mit einer separaten Analyse von Binance Research, die Bitcoins Schwäche ebenfalls auf den Wettbewerb um Anlegerkapital zurückführt. Demnach floss Geld zunehmend in Aktien aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Halbleiter, Verteidigung und Energie – ein “Kapital-Schwarzes-Loch”, das weniger Mittel für Bitcoin und andere Risikoanlagen übriglasse. Wenn zwei voneinander unabhängige Quellen – ein etablierter US-Broker und der Research-Arm der größten Kryptobörse – zur gleichen Diagnose kommen, verdient diese Gewichtung. Die Momentum-These ist damit nicht bloß eine bequeme Erzählung, sondern empirisch unterfüttert.

Bemerkenswert ist ein Detail, das Ferraioli anführt: Die Begeisterung für anstehende Börsengänge schwappe inzwischen in die Kryptomärkte über. SpaceX bereite Berichten zufolge einen IPO vor, der das Unternehmen mit bis zu 1,8 Billionen Dollar bewerten könnte; weitere erwartete Listings könnten zusammen mehr als 200 Milliarden Dollar einsammeln. Auch die erwarteten Börsengänge von OpenAI und Anthropic rücken in den Fokus spekulativ orientierter Anleger. Über dezentrale Handelsplattformen wie Hyperliquid lassen sich mittlerweile synthetische Produkte auf private Unternehmen handeln – ausgerechnet die Krypto-Infrastruktur eröffnet damit Zugang zu Wetten, die das Kapital von Bitcoin wegziehen. Diese Ironie ist treffend beobachtet und verdient mehr Aufmerksamkeit, als sie üblicherweise erhält.

Bewertung: Wo die These überzeugt – und wo sie zu kurz greift

Ferraioli liegt mit seiner Grunddiagnose richtig, und es spricht für ihn, dass er die naheliegende Sündenbock-Erklärung zurückweist. Der vielbeachtete Verkauf von 32 Bitcoin durch Strategy habe, so Ferraioli, kaum eine Rolle für die jüngste Schwäche gespielt. Die Transaktion erregte Aufmerksamkeit, weil Executive Chairman Michael Saylor als einer der entschiedensten Bitcoin-Befürworter gilt und das Narrativ stets lautete, man werde niemals verkaufen. Dass eine derart symbolische, aber volumenmäßig winzige Order zur Erklärung eines bereits laufenden Trends herhalten muss, ist tatsächlich wenig überzeugend – hier behält Ferraioli recht und widersteht der medialen Vereinfachung.

An einem anderen Punkt jedoch greift seine Argumentation zu kurz. Ferraioli betont, Bitcoin sei “primär ein Retail-Asset”, institutionelle Beteiligung wachse zwar, bleibe aber kleiner als viele annähmen. Diese Einschätzung steht in einer gewissen Spannung zu seinen eigenen Belegen. Ein außerbörslicher Block über 1,26 Milliarden Dollar und elf Tage anhaltende ETF-Abflüsse sind keine Kennzeichen eines reinen Privatanlegermarktes – sie zeugen von erheblicher institutioneller Aktivität, die sich nun eben in die Gegenrichtung bewegt. Die Wahrheit dürfte differenzierter sein: Bitcoin ist ein Markt, in dem institutionelles Kapital zunehmend den Takt vorgibt, dessen Stimmung aber weiterhin stark von Retail-getriebenen Momentum-Zyklen abhängt. Beides zugleich.

Hier liegt die eigentliche Schwachstelle des Momentum-Narrativs, wenn man es überdehnt: Es erklärt das Wohin des Kapitals, nicht aber das Warum der Anfälligkeit. Dass Bitcoin überhaupt so empfindlich auf konkurrierende Spekulationsobjekte reagiert, verweist auf ein ungelöstes Grundproblem. Solange der Vermögenswert primär als Risiko-Beta gehandelt wird und nicht als das digitale Wertaufbewahrungsmittel, als das er beworben wird, bleibt er Geisel des nächstbesten Hype-Zyklus – ob KI-Aktien, Pre-IPO-Wetten oder Rohstoffe. Die regulatorischen Fortschritte, auf die die Branche in den USA mit Blick auf den Clarity Act und weitere Maßnahmen wartet, ändern daran kurzfristig nichts. Ferraioli selbst räumt ein, dass solche Entwicklungen allein kaum Kapital zurückholen dürften, solange Anleger attraktivere Alternativen sehen.

Einordnung in den europäischen Kontext

Für deutsche und europäische Anleger lohnt ein Blick über den engen Marktmechanismus hinaus. Während in den USA über synthetische Pre-IPO-Produkte und Spot-ETFs gestritten wird, fehlt dem europäischen Markt unter dem MiCA-Regime weiterhin ein vergleichbar tiefes Produktangebot. Die Diskussion, die Ferraioli führt – Kapital wandert dorthin, wo Innovation und Rendite locken -, sollte hierzulande als Warnung gelesen werden. Wo Regulierung Spekulation nicht ordnet, sondern Innovation aus dem Markt drängt, verliert ein Standort nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen. Dass ausgerechnet dezentrale US-Plattformen Zugang zu Anteilen europäisch relevanter Tech-Unternehmen schaffen, sollte aufhorchen lassen.

Eine zutreffende Diagnose mit blindem Fleck

Ferraiolis Befund trifft den Kern: Bitcoin hat seinen Momentum-Handel verloren, und das Kapital sucht sich derzeit lautere Erzählungen – allen voran künstliche Intelligenz und anstehende Megabörsengänge. Diese Diagnose ist faktisch gestützt und durch unabhängige Quellen bestätigt. Wer jedoch erwartet, dass Regulierung, institutionelle Adoption und neue Produkte allein eine Trendwende erzwingen, übersieht das eigentliche Problem. Auch die saisonale Schwäche der Sommermonate, auf die Ferraioli hinweist, dürfte kurzfristig wenig Rückenwind liefern.

Solange Bitcoin als spekulatives Risiko-Beta gehandelt wird, bleibt sein Kurs eine Funktion dessen, was anderswo gerade spannender erscheint. Die Momentum-These erklärt die Gegenwart treffend – die Zukunft entscheidet sich daran, ob Bitcoin diesen Status überwindet oder in ihm gefangen bleibt.

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt eine einordnende, meinungsbildende Bewertung der Redaktion wieder. Investitionen in Kryptowährungen sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Kursbewegungen können stark schwanken und durch Marktstimmung, regulatorische Entwicklungen sowie makroökonomische Faktoren beeinflusst werden. Anleger sollten eigene Recherchen anstellen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen.

⚠️ Risikohinweis

Die Inhalte auf online24.de stellen keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochriskante Anlagen. Bitte führe immer deine eigene Recherche durch (DYOR).

Michael Müller

Michael Müller ist seit vielen Jahren in der Welt der Kryptowährungen und Finanzmärkte zu Hause. Als ausgewiesener Krypto-Experte verbindet er tiefes Fachwissen mit praktischer Erfahrung im Trading von digitalen Assets, Devisen und klassischen Anlageklassen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Markttrends, regulatorischen Entwicklungen und technologischen Innovationen, die den Kryptomarkt nachhaltig prägen. Bei Online24.de liefert Michael Müller fundierte Artikel, praxisnahe Analysen und verständlich aufbereitete Ratgeber, die Einsteiger wie auch erfahrene Trader ansprechen. Dabei legt er besonderen Wert auf Transparenz, Risikoabwägung und realistische Strategien, um Lesern einen echten Mehrwert für ihre Investitionsentscheidungen zu bieten. Seine Beiträge zeichnen sich durch eine klare Sprache und praxisorientierte Beispiele aus. Mit seinem Know-how sorgt Michael Müller dafür, dass unsere Leser die Chancen und Risiken von Bitcoin, Ethereum, DeFi & Co. einschätzen können – und so im dynamischen Markt stets den Überblick behalten.

Der Krypto-Newsletter
der dir wirklich hilft

Täglich die wichtigsten Krypto-News, Marktanalysen und Ratgeber — direkt in dein Postfach. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.

📧 12.000+ Abonnenten 🔒 Kein Spam 📱 Täglich 8 Uhr

Mit der Anmeldung akzeptierst du unsere Datenschutzerklärung.