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CLARITY Act stockt im US-Senat: Was bedeutet das für Bitcoin und Ethereum?

Der wichtigste Versuch der USA, einen umfassenden gesetzlichen Rahmen für den Kryptomarkt zu schaffen, ist vorerst ausgebremst. Der Digital Asset Market Clarity…

Der wichtigste Versuch der USA, einen umfassenden gesetzlichen Rahmen für den Kryptomarkt zu schaffen, ist vorerst ausgebremst. Der Digital Asset Market Clarity Act erhielt am 15. September 2026 im US-Senat nicht die erforderlichen 60 Stimmen, um die parlamentarische Blockade zu beenden und die Beratungen fortzusetzen. Bitcoin, Ethereum und Kryptoaktien reagierten zunächst mit Verlusten. Experten warnen jedoch davor, daraus bereits das Ende der jüngsten Markterholung abzuleiten. Für Bitcoin selbst könnte die Bedeutung des Gesetzes sogar geringer sein als für Altcoins, DeFi-Projekte und amerikanische Kryptounternehmen.

Die Abstimmung endete mit 49 Ja- und 50 Nein-Stimmen. Damit fehlten elf Stimmen zur erforderlichen Dreifünftelmehrheit. Wichtig ist die genaue Einordnung: Der Senat stimmte nicht endgültig gegen den Inhalt des Gesetzes. Gescheitert ist zunächst eine sogenannte Cloture Motion auf dem Weg zur eigentlichen Beratung. Ein Antrag auf erneute Abstimmung wurde anschließend eingereicht.

Trotzdem ist die Niederlage ein erheblicher Rückschlag für die US-Kryptobranche. Eine schnelle gesetzliche Klärung der Zuständigkeiten von SEC und CFTC ist zunächst vom Tisch.

Was sollte der CLARITY Act eigentlich ändern?

Der Digital Asset Market Clarity Act soll erstmals einen umfassenden gesetzlichen Rahmen für den Handel mit digitalen Vermögenswerten in den USA schaffen.

Eines der größten Probleme des amerikanischen Kryptomarktes besteht seit Jahren darin, dass nicht eindeutig geregelt ist, wann ein Token als Wertpapier und wann als digitaler Rohstoff behandelt werden muss.

Damit verbunden ist die Frage, welche Aufsichtsbehörde zuständig ist.

Die Securities and Exchange Commission beaufsichtigt grundsätzlich Wertpapiere. Die Commodity Futures Trading Commission ist dagegen unter anderem für Rohstoffderivate zuständig.

Der CLARITY Act sollte diese Zuständigkeitsbereiche klarer voneinander abgrenzen und unter anderem Regeln schaffen für:

  • die Klassifizierung digitaler Vermögenswerte
  • Krypto-Handelsplattformen
  • Broker und Intermediäre
  • Stablecoins und bestimmte Ertragsmodelle
  • dezentrale Finanzprotokolle
  • Geldwäschevorschriften
  • Token-Emissionen
  • die Zuständigkeiten von SEC und CFTC

Die im September vorgelegte endgültige Fassung enthielt mehr als 100 Änderungen gegenüber früheren Entwürfen. Darunter waren zusätzliche Regeln für DeFi, Bestimmungen für Banken und Kreditgenossenschaften sowie neue Vorgaben zu möglichen Interessenkonflikten von Regierungsvertretern.

Warum bekam das Gesetz keine 60 Stimmen?

Das Scheitern hatte nicht nur einen Grund.

Ein wesentlicher Streitpunkt waren ethische Regeln für politische Amtsträger. Demokratische Senatoren verlangten stärkere Beschränkungen für finanzielle Interessen hochrangiger Regierungsvertreter an Kryptowährungen. Hintergrund waren unter anderem die umfangreichen Kryptoaktivitäten von Präsident Donald Trump und seiner Familie.

Mehrere demokratische Senatoren erklärten ausdrücklich, dass sie grundsätzlich gesetzliche Regeln für digitale Vermögenswerte unterstützen, die vorgelegten Ethikbestimmungen jedoch für nicht ausreichend hielten.

Gleichzeitig kam Widerstand aus Teilen der Bankenbranche. Banken und insbesondere kleinere Institute äußerten Bedenken, dass hoch verzinste Stablecoin- und Kryptoprodukte Einlagen aus dem klassischen Bankensystem abziehen könnten.

Auch vier republikanische Senatoren stimmten gegen das Verfahren. Sämtliche 49 Ja-Stimmen kamen aus der republikanischen Fraktion.

Das Ergebnis zeigt deshalb, dass die Blockade nicht allein auf einem klassischen Streit zwischen Befürwortern und Gegnern von Kryptowährungen beruht. Kontrovers waren vor allem die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes, Bankenregeln und politische Ethikvorschriften.

Bitcoin fiel nach der Abstimmung

Der Kryptomarkt reagierte zunächst negativ. Bitcoin verlor nach der Abstimmung an Wert und fiel zwischenzeitlich unter 76.000 US-Dollar. Auch Ethereum und mehrere große Altcoins gerieten unter Druck.

Besonders deutlich fiel die Reaktion bei börsennotierten Kryptounternehmen aus. Die Coinbase-Aktie verlor nach der Abstimmung zeitweise mehr als zehn Prozent.

Das ist nachvollziehbar. Für Unternehmen wie Coinbase wäre ein dauerhaft gesetzlich festgelegter regulatorischer Rahmen besonders wichtig. Er würde klarer definieren, welche Token angeboten werden dürfen und welche Behörde für bestimmte Produkte zuständig ist.

Bei Bitcoin selbst ist der Zusammenhang weniger eindeutig.

BTC besitzt in den USA bereits eine vergleichsweise klare regulatorische Stellung. Die CFTC behandelt Bitcoin seit Jahren als Commodity. Zusätzlich existiert seit 2024 ein großer regulierter Markt für US-Spot-Bitcoin-ETFs.

Viele der wichtigsten ungelösten Fragen des CLARITY Act betreffen deshalb stärker andere Bereiche des Kryptomarkts.

Ethereum und Altcoins könnten stärker betroffen sein

Für Ethereum, DeFi und zahlreiche Altcoins wäre ein umfassendes Marktstrukturgesetz potenziell bedeutender.

Hier bestehen weiterhin Fragen darüber, wann ein Token als Wertpapier gilt, welche Anforderungen an dezentrale Handelsplattformen gestellt werden und wie Staking- oder Lending-Produkte regulatorisch behandelt werden.

Gerade für kleinere Projekte können diese Unsicherheiten teuer sein.

Ein etabliertes Unternehmen kann Anwälte beschäftigen, Lizenzen beantragen und jahrelange Verfahren führen. Für ein junges Blockchain-Projekt können dieselben Anforderungen dazu führen, dass es den US-Markt gar nicht erst bedient.

Das Scheitern einer bundesweit einheitlichen Lösung lässt diese Unsicherheit zunächst bestehen.

Ethereum fiel nach der Senatsentscheidung ebenfalls und bewegte sich anschließend im Bereich um 2.400 bis 2.500 US-Dollar. Marktbeobachter verwiesen insbesondere auf die weiter offenen regulatorischen Fragen rund um DeFi und Staking.

Bitwise-CIO sieht keinen Grund, den Bullrun abzuschreiben

Matt Hougan, Chief Investment Officer des Vermögensverwalters Bitwise, hatte vor der Abstimmung noch vor einer längeren Schwächephase gewarnt, falls der CLARITY Act nicht weiterkommt.

Nach der Abstimmung änderte er seine Einschätzung.

Der Grund dafür ist die Entwicklung der vergangenen Monate.

Bitcoin fiel am 1. Juli bis auf etwa 57.950 US-Dollar. Bis Anfang September stieg BTC anschließend wieder über die Marke von 80.000 US-Dollar.

Gleichzeitig sank auf Prognosemärkten die eingeschätzte Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act noch 2026 Gesetz wird.

Für Hougan passen diese beiden Entwicklungen nicht zu der These, dass der aktuelle Kryptomarkt zwingend von einer erfolgreichen Abstimmung im Kongress abhängt.

Sein Argument lautet im Kern: Wenn der Bullenmarkt tatsächlich vollständig vom CLARITY Act abhängig wäre, hätte Bitcoin eigentlich fallen müssen, während die Chancen des Gesetzes schlechter wurden.

Genau das geschah nicht.

Bitcoin stieg gleichzeitig deutlich.

Der Kryptomarkt hat auch ohne umfassendes US-Gesetz stark expandiert

Hougan verweist außerdem darauf, dass die institutionelle Entwicklung der Kryptobranche bereits weit vor einer umfassenden Marktstrukturgesetzgebung begonnen hat.

US-Spot-Bitcoin- und Ethereum-ETFs existieren bereits. Große Vermögensverwalter bieten digitale Anlageprodukte an. Banken beschäftigen sich mit Verwahrung und Tokenisierung. Stablecoins werden von Zahlungsunternehmen integriert.

Der Markt ist damit nicht mehr vollständig davon abhängig, ob der Kongress kurzfristig ein einzelnes Gesetz verabschiedet.

Daraus folgt allerdings nicht, dass der CLARITY Act bedeutungslos wäre.

Ein Bundesgesetz würde Regeln dauerhaft festschreiben und wäre wesentlich schwieriger zu verändern als Entscheidungen einzelner Aufsichtsbehörden.

SEC und CFTC können auch ohne den Kongress handeln

Nach dem gescheiterten Senatsvotum richtet sich die Aufmerksamkeit deshalb verstärkt auf SEC und CFTC.

Beide Behörden können innerhalb ihrer bestehenden gesetzlichen Befugnisse Regeln für Teile des Kryptomarktes erlassen.

Coinbase-Chef Brian Armstrong erklärte nach der Abstimmung entsprechend, die Branche könne nicht einfach auf den Kongress warten. Er forderte die Behörden auf, vorhandene Kompetenzen zu nutzen, um klarere Regeln zu schaffen.

Die SEC ging unmittelbar nach der parlamentarischen Niederlage bereits einen weiteren Schritt und schuf eine auf fünf Jahre befristete Ausnahmeregelung für bestimmte tokenisierte Aktien.

Damit können zugelassene Plattformen unter festgelegten Bedingungen Blockchain-Versionen traditioneller Aktien anbieten.

Für die Branche ist das ein wichtiges Signal: Das Scheitern des CLARITY Act bedeutet nicht, dass sämtliche regulatorischen Entwicklungen in Washington zum Stillstand kommen.

Behördenregeln haben allerdings einen Nachteil

Gesetze des Kongresses und Verwaltungsvorschriften sind nicht gleichwertig.

Ein verabschiedetes Gesetz schafft einen vergleichsweise dauerhaften Rahmen. SEC und CFTC müssen sich daran halten, unabhängig davon, welche Regierung gerade im Amt ist.

Behördliche Interpretationen und Ausnahmegenehmigungen können dagegen später leichter verändert oder zurückgenommen werden.

Ein Regierungswechsel könnte deshalb wieder zu einer anderen regulatorischen Ausrichtung führen.

Genau diese Unsicherheit wollten viele Unternehmen mit dem CLARITY Act reduzieren. Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die Behörden zwar kurzfristig viele Probleme lösen können, die langfristige Rechtssicherheit eines Bundesgesetzes damit aber nicht vollständig ersetzt wird.

Julius Baer: Regulierung ist nicht automatisch ein Kurstreiber

Auch Carsten Menke von der Schweizer Privatbank Julius Baer warnt davor, die Bedeutung des Gesetzes für Kryptokurse zu überschätzen.

Ein klarer regulatorischer Rahmen könne für Unternehmen und institutionelle Anleger hilfreich sein. Daraus folge aber nicht automatisch, dass mehr Regulierung unmittelbar höhere Kurse oder eine stärkere Blockchain-Nutzung erzeugt.

Als Beispiel verweist Menke auf Prognosemärkte. Polymarket basiert auf Blockchain-Technologie und war früh am Markt. Trotzdem konnte der zentralisierte Konkurrent Kalshi in bestimmten Bereichen erhebliche Marktanteile gewinnen.

Regulatorische Klarheit ist damit nur ein Faktor unter vielen.

Produktqualität, Kosten, Nutzerfreundlichkeit, Liquidität und tatsächlicher Nutzen bleiben für die Adoption entscheidend.

Bitcoin könnte von der Niederlage weniger betroffen sein als DeFi

Für Anleger ist deshalb eine Differenzierung wichtig.

Bitcoin

Bitcoin ist regulatorisch vergleichsweise klar eingeordnet und verfügt über etablierte Spot-ETFs. Der direkte Nutzen des CLARITY Act wäre geringer als bei vielen anderen Projekten.

Ethereum

Ethereum würde stärker von klareren Regeln zu Staking, DeFi, Tokenisierung und dezentralen Anwendungen profitieren. Die Unsicherheit bleibt deshalb größer.

Altcoins

Für zahlreiche Token wäre eine klarere Abgrenzung zwischen Wertpapier und digitalem Rohstoff besonders relevant. Das regulatorische Risiko bleibt vorerst bestehen.

DeFi

Dezentrale Börsen, Lending-Protokolle und andere DeFi-Anwendungen gehören zu den Bereichen, bei denen die USA weiterhin grundlegende Fragen klären müssen.

Kryptobörsen

Unternehmen wie Coinbase haben ein großes Interesse an dauerhaft klaren Regeln, weil ihre Produktpalette direkt davon abhängt, welche Token und Dienstleistungen regulatorisch zulässig sind.

Der Rückschlag trifft damit nicht jeden Bereich des Kryptomarkts gleichermaßen.

Das Gesetz könnte theoretisch noch zurückkehren

Auch die Formulierung, der CLARITY Act sei endgültig tot, wäre derzeit zu weitgehend.

Senator Thom Tillis reichte nach der Abstimmung einen Antrag ein, der eine erneute Abstimmung ermöglicht. Formal kann der Senat den Vorgang also wieder aufnehmen.

Die politischen Aussichten bleiben allerdings schwierig.

Für eine erfolgreiche Cloture-Abstimmung wären mindestens 60 Stimmen erforderlich. Am 15. September kamen lediglich 49 zusammen.

Damit müssten die Befürworter mindestens elf zusätzliche Senatoren überzeugen.

Vor den anstehenden US-Zwischenwahlen wird das zeitlich zunehmend schwierig. Marktbeobachter und politische Analysten rechnen deshalb nicht mit einer schnellen Wiederaufnahme.

Kein Beweis für das Ende des Bitcoin-Bullenmarkts

Das Scheitern der Abstimmung ist ein regulatorischer Rückschlag für die amerikanische Kryptobranche. Es beseitigt jedoch nicht die anderen Faktoren, die den Markt bewegen.

Dazu gehören:

  • institutionelle Bitcoin-Nachfrage
  • ETF-Zuflüsse und -Abflüsse
  • globale Liquidität
  • US-Zinsen
  • Unternehmensinvestitionen in Bitcoin
  • Stablecoin-Wachstum
  • Tokenisierung traditioneller Vermögenswerte
  • Entwicklung der Blockchain-Nutzung
  • allgemeine Risikobereitschaft der Anleger

Dass Bitcoin nach der Abstimmung zunächst verlor, zeigt, dass der Markt einen erfolgreichen Gesetzgebungsprozess zumindest teilweise eingepreist hatte.

Es beweist jedoch nicht, dass die gesamte Rallye darauf beruhte.

Gerade die Entwicklung zwischen Juli und September spricht gegen diese einfache Erklärung: Bitcoin stieg von weniger als 58.000 auf mehr als 80.000 US-Dollar, während gleichzeitig die erwartete Wahrscheinlichkeit einer schnellen Verabschiedung des CLARITY Act sank.

Für Bitcoin ist Washington jetzt nicht der einzige Faktor

Der CLARITY Act wäre für die US-Kryptobranche ein bedeutender Schritt gewesen. Unternehmen hätten erstmals einen vom Kongress verabschiedeten Rahmen erhalten, der Zuständigkeiten von SEC und CFTC und zahlreiche Regeln für digitale Vermögenswerte klarer festlegt.

Das ist vorerst nicht gelungen.

Von einem endgültigen regulatorischen Stillstand kann trotzdem keine Rede sein. SEC und CFTC arbeiten an eigenen Regeln, während der CLARITY Act formal noch nicht endgültig aufgegeben wurde.

Für Bitcoin ist die Lage deshalb weniger dramatisch, als einige Schlagzeilen vermuten lassen. Die größte Kryptowährung verfügt bereits über eine vergleichsweise klare regulatorische Stellung und institutionelle Investmentprodukte.

Größer ist die Unsicherheit für Ethereum, DeFi, Altcoins und Kryptounternehmen, deren Geschäftsmodelle stärker von der noch ungeklärten amerikanischen Marktstruktur abhängen.

Ob die Erholungsrallye weitergeht, dürfte daher nicht allein in Washington entschieden werden. Der CLARITY Act kann den Markt beeinflussen – er ist aber weder die einzige Grundlage eines Krypto-Bullenmarkts noch sein automatischer Schlusspunkt.

⚠️ Risikohinweis

Die Inhalte auf online24.de stellen keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochriskante Anlagen. Bitte führe immer deine eigene Recherche durch (DYOR).

Michael Müller

Michael Müller ist seit vielen Jahren in der Welt der Kryptowährungen und Finanzmärkte zu Hause. Als ausgewiesener Krypto-Experte verbindet er tiefes Fachwissen mit praktischer Erfahrung im Trading von digitalen Assets, Devisen und klassischen Anlageklassen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Markttrends, regulatorischen Entwicklungen und technologischen Innovationen, die den Kryptomarkt nachhaltig prägen. Bei Online24.de liefert Michael Müller fundierte Artikel, praxisnahe Analysen und verständlich aufbereitete Ratgeber, die Einsteiger wie auch erfahrene Trader ansprechen. Dabei legt er besonderen Wert auf Transparenz, Risikoabwägung und realistische Strategien, um Lesern einen echten Mehrwert für ihre Investitionsentscheidungen zu bieten. Seine Beiträge zeichnen sich durch eine klare Sprache und praxisorientierte Beispiele aus. Mit seinem Know-how sorgt Michael Müller dafür, dass unsere Leser die Chancen und Risiken von Bitcoin, Ethereum, DeFi & Co. einschätzen können – und so im dynamischen Markt stets den Überblick behalten.

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