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Fünf Upgrades für die XRP-Ledger — während der Kurs im Regulierungsstau feststeckt

Die XRP-Ledger bekommt nächste Woche ihr bisher institutionellstes Upgrade: fünf technische Neuerungen, die aus dem Netzwerk eine ernsthafte Settlement-Infrastruktur für Banken und…

Die XRP-Ledger bekommt nächste Woche ihr bisher institutionellstes Upgrade: fünf technische Neuerungen, die aus dem Netzwerk eine ernsthafte Settlement-Infrastruktur für Banken und Fondsanbieter machen sollen. Der Kontrast könnte kaum größer sein — denn während die Technik reift, hängt der XRP-Kurs weiter im regulatorischen Niemandsland fest. Genau diese Kluft ist die eigentliche Geschichte.

Was das Upgrade bringt

Jazzi Cooper, Produktchefin bei RippleX, kündigte die fünf Amendments für die Version xrpld 3.3.0 an. Ihr Leitgedanke: Die Ledger habe bereits bewiesen, dass sie tokenisierte Vermögenswerte im großen Maßstab tragen kann — jetzt gehe es darum, diese Assets tatsächlich zu nutzen: für globale Transfers, Handel, Besicherung und Abwicklung. Die fünf Vorschläge im Überblick:

Amendment Funktion
Confidential MPT Private Token-Bestände via Verschlüsselung + Zero-Knowledge-Proofs
Batch Atomare Multi-Konto-Transaktionen (alles oder nichts)
Permission Delegation Rechte delegieren ohne Kontrollverlust über Schlüssel
Sponsored Fees Dritte übernehmen Gebühren — Nutzer brauchen kein XRP
Dynamic MPT Token-Eigenschaften nachträglich änderbar

Quelle: RippleX, xrpl.org.

Wichtig zur Einordnung: Diese Funktionen sind mit dem Release nicht sofort aktiv. Über ihre Einführung entscheidet nicht Ripple, sondern das dezentrale Validator-Netzwerk — ein Amendment braucht mindestens 80 Prozent Zustimmung der vertrauenswürdigen Validatoren über zwei aufeinanderfolgende Wochen. Zum Vergleich: Das vorausgegangene Cleanup-Amendment erreichte Ende Juli 85,71 Prozent.

Warum Vertraulichkeit der Schlüssel für Banken ist

Die wohl folgenreichste Neuerung ist Confidential MPT. Sie fügt Multi-Purpose Tokens native Privatsphäre hinzu — mittels Elliptic-Curve-Verschlüsselung und Zero-Knowledge-Proofs lassen sich Token-Bestände und Transferbeträge vor der Öffentlichkeit verbergen, während autorisierte Dritte wie Prüfer oder Regulierer weiterhin Einblick erhalten können.

Das trifft einen wunden Punkt. Für Finanzinstitute ist Vertraulichkeit oft die Grundvoraussetzung, um eine öffentliche Blockchain überhaupt nutzen zu können, wie Cooper es formuliert. Eine Bank kann nicht wollen, dass jeder Wettbewerber ihre Transaktionsvolumina live mitliest — braucht aber zugleich prüfbare Aufzeichnungen für die Aufsicht. Confidential MPT versucht, genau diesen Spagat zwischen kommerzieller Geheimhaltung und regulatorischer Nachweispflicht zu lösen. Einschränkend gilt: Das Feature betrifft nur MPTs, nicht native XRP-Zahlungen — und es ist eine technische Netzwerkfunktion, keine aufsichtsrechtliche Freigabe für irgendein Finanzprodukt.

Wie die übrigen vier die Hürden für Institutionen senken

Die anderen Amendments zielen auf konkrete Reibungspunkte. Batch erlaubt es, Transaktionen über mehrere Konten atomar auszuführen — entweder gelingt alles oder nichts. Das ermöglicht Delivery-versus-Payment, bei dem Vermögenswert und Zahlung gleichzeitig den Besitzer wechseln, und senkt so das Abwicklungsrisiko.

Permission Delegation lässt einen Kontoinhaber eng umrissene Rechte vergeben, ohne die Signaturhoheit abzugeben — eine Bank könnte ihr Treasury-Team bestimmte Aufgaben erledigen lassen, während die Emissionsschlüssel getrennt bleiben. Sponsored Fees and Reserves beseitigt vielleicht die größte Onboarding-Hürde: Bislang muss jeder Teilnehmer erst XRP kaufen, um Gebühren und Konto-Reserven zu decken. Künftig könnte eine Bank oder Plattform diese Kosten für ihre Kunden übernehmen — die Nutzer behalten ihre Konten und Schlüssel, brauchen aber kein XRP mehr zum Einstieg. Dynamic MPT schließlich erlaubt Emittenten, Token-Eigenschaften wie Transfergebühren nachträglich anzupassen, ohne einen komplett neuen Token ausgeben zu müssen.

Die Technik reift — der Kurs merkt es nicht

Hier liegt der eigentliche Widerspruch. Während die XRP-Ledger sich Woche für Woche zur regulierten institutionellen Finanzinfrastruktur entwickelt, erzählt der Kurs eine deutlich vorsichtigere Geschichte. Die Belege für die technische Reife sind konkret und frisch: Am 29. Juli legte Aviva Investors eine tokenisierte Anteilsklasse ihres USD Liquidity Fund auf der XRPL auf — mit einer Freigabe der irischen Zentralbank, nach Angaben des Anbieters die erste Zulassung eines tokenisierten Fonds auf einer öffentlichen Blockchain durch einen EU-Regulierer. Zudem wurde ein grenzüberschreitendes Settlement tokenisierter US-Staatsanleihen unter Beteiligung von Ondo Finance, JPMorgans Kinexys und Mastercard in unter fünf Sekunden abgewickelt.

Auch die Zahlen stützen den Trend: In den sechs Monaten bis zum 26. Juli gewann die XRPL rund 2,6 Milliarden Dollar an RWA-Wert hinzu (ohne Stablecoins) — Platz zwei bei den Netto-Zuflüssen hinter der BNB Chain und vor Stellar, bei einem kombinierten RWA-Wert von rund 4,38 Milliarden Dollar. Und doch bewegt sich der XRP-Kurs kaum, gefangen im selben Washingtoner Gesetzgebungsstau, der die gesamte Branche lähmt: Solange der CLARITY Act im Senat blockiert ist, fehlt die regulatorische Klarheit, die institutionelles Kapital in großem Stil freisetzen würde.

Was Anleger daraus lesen sollten

Die XRPL ist ein Lehrstück über die Entkopplung von fundamentaler Entwicklung und Kurs. Wer nur auf den Preis schaut, sieht Stillstand. Wer auf die Infrastruktur schaut, sieht ein Netzwerk, das sich methodisch zur Abwicklungsschicht für tokenisierte Wertpapiere umbaut — mit realen Fonds, realen Regulierungsfreigaben und realem RWA-Volumen.

Für die Einordnung sind zwei Dinge wichtig. Erstens sprechen mit RippleX-Vertretern erkennbar interessierte Parteien; dass über die Aktivierung der Amendments das dezentrale Validator-Netzwerk entscheidet und nicht Ripple, ist dabei ein echtes Gegengewicht. Zweitens ist technische Reife kein Kurstreiber, solange die regulatorische Unsicherheit anhält — die eigentliche Weichenstellung für XRP liegt nicht im Code, sondern im US-Senat. Das Upgrade macht die Ledger bereit für institutionelle Nutzung. Ob diese Nutzung kommt, entscheidet Washington, nicht die Technik.

Keine Anlageberatung. Die beschriebenen Amendments sind vorgeschlagen und aktivieren erst nach dezentraler Validator-Zustimmung. Zitierte Herstellervertreter handeln aus erklärtem Eigeninteresse. Anlageentscheidungen liegen beim Leser.

⚠️ Risikohinweis

Die Inhalte auf online24.de stellen keine Anlageberatung dar. Kryptowährungen sind hochriskante Anlagen. Bitte führe immer deine eigene Recherche durch (DYOR).

Michael Müller

Michael Müller ist seit vielen Jahren in der Welt der Kryptowährungen und Finanzmärkte zu Hause. Als ausgewiesener Krypto-Experte verbindet er tiefes Fachwissen mit praktischer Erfahrung im Trading von digitalen Assets, Devisen und klassischen Anlageklassen. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse von Markttrends, regulatorischen Entwicklungen und technologischen Innovationen, die den Kryptomarkt nachhaltig prägen. Bei Online24.de liefert Michael Müller fundierte Artikel, praxisnahe Analysen und verständlich aufbereitete Ratgeber, die Einsteiger wie auch erfahrene Trader ansprechen. Dabei legt er besonderen Wert auf Transparenz, Risikoabwägung und realistische Strategien, um Lesern einen echten Mehrwert für ihre Investitionsentscheidungen zu bieten. Seine Beiträge zeichnen sich durch eine klare Sprache und praxisorientierte Beispiele aus. Mit seinem Know-how sorgt Michael Müller dafür, dass unsere Leser die Chancen und Risiken von Bitcoin, Ethereum, DeFi & Co. einschätzen können – und so im dynamischen Markt stets den Überblick behalten.

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