Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Öffentlich gehandelte Bitcoin-Miner haben im ersten Quartal 2026 mehr als 32.000 BTC liquidiert – ein neuer Branchenrekord, der selbst die Panikverkäufe während des Terra-Luna-Crashs von 2022 in den Schatten stellt. Damals wurden rund 20.000 BTC auf den Markt geworfen. Und auch die Nettoumsätze des gesamten Jahres 2025 wurden in nur drei Monaten übertroffen. Das ist kein kurzfristiger Ausreißer. Das ist ein Stresssignal für die gesamte Mining-Industrie.
Wer verkauft und wie viel
Die großen Namen der Branche sind allesamt dabei. MARA Holdings sticht mit Abstand heraus: Das Unternehmen verkaufte allein im März 15.133 BTC für rund 1,1 Milliarden Dollar. Riot Platforms trennte sich im gesamten ersten Quartal von 3.778 BTC und nahm damit knapp 289,5 Millionen Dollar ein. Core Scientific liquidierte im Januar rund 1.900 BTC für etwa 175 Millionen Dollar. Cango stieß im März 2.000 BTC ab – rund 143 Millionen Dollar, die direkt zur Tilgung von Bitcoin-Darlehen genutzt wurden. CleanSpark verkaufte im Januar fast ein Drittel seiner geschürften BTC und im Februar praktisch die gesamte Monatsproduktion von 568 BTC.
Das sind keine strategischen Gewinnmitnahmen. Das sind Notverkäufe unter Margendruck.
Warum die Margen kollabieren
Der Kern des Problems liegt im sogenannten Hashprice – der erwarteten Einnahme pro Petahash Rechenleistung pro Sekunde. Dieser Wert bewegt sich aktuell in der unteren 30-Dollar-Range und damit nahe am historischen Allzeittief. Gleichzeitig ist die Netzwerkschwierigkeit inzwischen rund zehnmal so hoch wie noch 2021. Das Bitcoin-Halving vom April 2024 hat die Blockbelohnungen zusätzlich halbiert. Wer heute mined, erzeugt pro eingesetzter Rechenleistung einen Bruchteil dessen, was vor einigen Jahren drin war.
Hinzu kommen hohe Schulden, die viele Miner in der Expansionsphase aufgenommen haben, sowie massive Investitionen in KI-Infrastruktur, die Kapital binden, ohne kurzfristig Bitcoin-Erträge zu generieren. Die Kombination aus sinkenden Einnahmen, steigenden Betriebskosten und Schuldendienst treibt die Unternehmen in eine Situation, in der das Halten von BTC kein Luxus mehr ist, den sie sich leisten können.
Was das für den Markt bedeutet
32.000 BTC, die innerhalb von drei Monaten auf den Markt kommen, sind kein Pappenstiel. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem, was täglich weltweit neu geschürft wird – multipliziert mit mehreren Wochen. Wenn die großen institutionellen Miner gleichzeitig liquidieren, entsteht struktureller Verkaufsdruck, der auch bei stabiler Nachfrage die Preisentwicklung bremsen kann.
Meine Einschätzung dazu ist direkt: Wer glaubt, dieser Rekordverkauf sei ein einmaliges Phänomen, unterschätzt den strukturellen Druck, unter dem die Branche steht. Solange der Hashprice nicht deutlich anzieht oder Bitcoin einen starken Kurssprung macht, der die gesunkenen Margen kompensiert, werden weitere Liquidierungen folgen. Die Mining-Industrie steckt mitten in einer Konsolidierungsphase, aus der nur die kapitalstärksten und effizientesten Betreiber gestärkt hervorgehen werden. Für die anderen ist Überleben gerade das einzige Ziel.
Was bleibt
Q1 2026 markiert einen Wendepunkt für öffentliche Bitcoin-Miner. Die Rekordliquidation ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Symptom einer Branche, die unter dem Gewicht von Halving-Nachwirkungen, Netzwerkschwierigkeit und Schuldenbergen stöhnt. Ob sich das in Q2 entspannt, hängt fast ausschließlich vom Bitcoin-Kurs und einer möglichen Erholung des Hashprice ab – zwei Faktoren, auf die kein Miner der Welt direkten Einfluss hat.