Der Krypto-Lender Blockfills durchlebt eine schwere Krise: Mitgründer und CEO Nicholas Hammer hat seinen Posten aufgegeben, während das Unternehmen mit Verlusten von rund 75 Millionen US-Dollar kämpft. Joseph Perry übernimmt vorübergehend die Führung und sucht nach strategischen Optionen für das angeschlagene Fintech.
Zahlungsstopp verunsichert institutionelle Kunden
Seit dem 11. Februar 2026 sind Ein- und Auszahlungen bei Blockfills ausgesetzt – ein drastischer Schritt, der die rund 2.000 institutionellen Kunden des Unternehmens alarmiert. Hedgefonds, Vermögensverwalter und Mining-Unternehmen können nicht mehr auf ihre Gelder zugreifen. Das Chicagoer Unternehmen, das 2025 noch ein Handelsvolumen von über 60 Milliarden US-Dollar verzeichnete, gibt keinen Zeitrahmen für die Wiederaufnahme der Zahlungen bekannt.
Die betroffenen institutionellen Kunden umfassen sowohl kleinere Krypto-Hedgefonds als auch große traditionelle Vermögensverwalter, die über Blockfills Zugang zu Krypto-Lending-Produkten suchten. Besonders betroffen sind Mining-Unternehmen, die ihre Bitcoin-Bestände als Sicherheiten für Betriebskredite hinterlegt hatten. Branchenexperten schätzen, dass sich die blockierten Kundengelder auf mehrere hundert Millionen Dollar belaufen könnten.
Kreditgeschäft bricht unter Marktdruck zusammen
Die Wurzel der Krise liegt im Kerngeschäft von Blockfills: dem institutionellen Krypto-Lending. Während des jüngsten Kurseinbruchs verloren die als Sicherheiten hinterlegten Kryptowährungen massiv an Wert. Brancheninsider berichten, dass einzelne Großkunden bereits im Vorfeld Hinweise erhalten haben sollen, ihre Assets abzuziehen – ein deutliches Warnsignal für die Liquiditätslage des Unternehmens.
Das Geschäftsmodell von Blockfills basierte auf der Vergabe von Krediten gegen Krypto-Sicherheiten mit Beleihungsquoten von bis zu 80 Prozent. Als Bitcoin von seinem Höchststand bei 73.000 Dollar auf unter 40.000 Dollar fiel, entstanden massive Margin Calls. Viele Kreditnehmer konnten diese nicht bedienen, was zu Zwangsliquidationen führte. Die daraus resultierenden Verluste übertrafen die Risikokapitalreserven des Unternehmens erheblich.
Führungswechsel inmitten der Unternehmenskrise
Der Rücktritt von Gründer Nicholas Hammer markiert einen Wendepunkt für Blockfills. Hammer, der das Unternehmen 2018 gemeinsam mit zwei Partnern gegründet hatte, galt als Visionär im institutionellen Krypto-Lending-Bereich. Unter seiner Führung wuchs Blockfills von einem Startup zu einem der größten Krypto-Lender für institutionelle Kunden heran.
Interims-CEO Joseph Perry, zuvor Chief Operating Officer, steht nun vor der schwierigen Aufgabe, das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen und gleichzeitig nach einem Käufer oder strategischen Partner zu suchen. Perry verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im traditionellen Finanzwesen und war maßgeblich am Aufbau der Risikomanagement-Systeme bei Blockfills beteiligt. Die bisherigen Investoren – darunter Susquehanna Private Equity, CME Ventures und Nexo – dürften die Entwicklung mit Sorge verfolgen.
Regulatorische Herausforderungen verschärfen die Lage
Neben den finanziellen Problemen sieht sich Blockfills auch mit regulatorischen Herausforderungen konfrontiert. Die Securities and Exchange Commission (SEC) und andere Aufsichtsbehörden haben ihre Prüfungen von Krypto-Lending-Unternehmen intensiviert. Blockfills steht unter Beobachtung der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), da das Unternehmen auch Derivate-Geschäfte abwickelt.
Die regulatorische Unsicherheit erschwert potenzielle Rettungsversuche zusätzlich. Interessierte Käufer müssen nicht nur die finanziellen Risiken bewerten, sondern auch mögliche regulatorische Sanktionen einkalkulieren. Dies reduziert den Kreis potenzieller Übernehmer erheblich und drückt den Unternehmenswert weiter nach unten.
Verkauf oder Partnerschaft als letzte Optionen
Blockfills prüft derzeit verschiedene strategische Alternativen, um die Krise zu überwinden. Ein Verkauf des Unternehmens oder eine Partnerschaft mit einem größeren Player scheinen die wahrscheinlichsten Szenarien zu sein. Gerüchten zufolge haben bereits mehrere etablierte Finanzinstitute Interesse bekundet, darunter auch traditionelle Banken, die ihr Krypto-Geschäft ausbauen möchten.
Die Zeit drängt: Bei anhaltendem Zahlungsstopp droht ein weiterer Vertrauensverlust, der eine Rettung des Unternehmens zusätzlich erschweren würde. Rechtsexperten warnen vor möglichen Sammelklagen betroffener Kunden, die ihre Gelder zurückfordern. Solche rechtlichen Auseinandersetzungen könnten sich über Jahre hinziehen und die Liquidation des Unternehmens zur Folge haben.
Die Blockfills-Krise zeigt exemplarisch die Risiken im Krypto-Lending-Geschäft auf. Während das Unternehmen noch vor einem Jahr zu den etablierten Playern im institutionellen Bereich zählte, verdeutlicht der schnelle Fall, wie volatil und riskant das Geschäft mit gehebelten Krypto-Investments sein kann. Die Ereignisse erinnern an den Kollaps anderer Krypto-Lender wie Celsius Network und BlockFi, die ähnliche Geschäftsmodelle verfolgten. Ob sich ein Käufer für das angeschlagene Fintech findet, wird maßgeblich über das Schicksal der blockierten Kundengelder entscheiden.