Marathon Digital verzeichnet 1,7 Milliarden Quartalsverlust
Marathon Digital Holdings (MARA) hat im vierten Quartal 2024 einen massiven Nettoverlust von 1,7 Milliarden US-Dollar verbucht – ein drastischer Einbruch nach den schwarzen Zahlen des Vorjahres. Der Bitcoin-Mining-Riese kämpft mit den Folgen fallender Kryptowährungspreise und sucht sein Heil in einer strategischen Neuausrichtung hin zu KI-Infrastruktur.
Bitcoin-Preisverfall belastet Marathon-Bilanz schwer
Der Hauptgrund für die dramatischen Verluste liegt im gesunkenen Bitcoin-Durchschnittspreis, der die positiven Effekte einer höheren Rechenleistung vollständig zunichtemachte. Obwohl Marathon seine Mining-Kapazitäten ausbaute, konnte das Unternehmen den Wertverlust seiner digitalen Vermögenswerte nicht kompensieren. Auch die Bitcoin-Produktionsmenge ging zurück, während der Bestand an gehaltenen Coins weiterhin hoch blieb – eine riskante Hodl-Strategie in volatilen Zeiten.
Die Quartalszahlen offenbaren das Dilemma der Mining-Industrie: Während Marathon seine Hash-Rate um 15 Prozent steigern konnte, sank der durchschnittliche Bitcoin-Preis im Berichtszeitraum um über 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Diese Entwicklung führte zu erheblichen Wertberichtigungen auf die gehaltenen Bitcoin-Bestände, die einen Großteil des Verlustes ausmachen.
Operative Kennzahlen zeigen gemischtes Bild
Trotz der finanziellen Verluste konnte Marathon seine operative Effizienz in mehreren Bereichen verbessern. Das Unternehmen produzierte im vierten Quartal 2.906 Bitcoin, was einem Rückgang von 8 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht. Gleichzeitig stiegen die Energiekosten pro Bitcoin auf durchschnittlich 32.400 US-Dollar, was die Gewinnmargen zusätzlich unter Druck setzte.
Die Gesamtzahl der gehaltenen Bitcoin belief sich zum Quartalsende auf 26.747 Coins im Wert von etwa 2,5 Milliarden US-Dollar zum damaligen Marktpreis. Diese Position macht Marathon zu einem der größten institutionellen Bitcoin-Halter, birgt aber auch erhebliche Bewertungsrisiken bei weiteren Kursrückgängen.
Strategischer Schwenk zu KI und Hochleistungsrechenzentren
Marathon reagiert auf die Krise mit einer bemerkenswerten Diversifizierung. Gemeinsam mit Starwood Digital Ventures plant das Unternehmen den Aufbau neuer KI- und Hochleistungsrechenzentren an energiegünstigen Standorten. Die erste Entwicklungsphase soll über 1 Gigawatt IT-Kapazität bereitstellen, langfristig könnte die Kapazität auf mehr als 2,5 Gigawatt anwachsen. MARA behält sich vor, bis zu 50 Prozent in einzelne Projekte zu investieren.
Diese Strategie nutzt die vorhandene Infrastruktur und das Know-how im Bereich energieintensiver Rechenprozesse. KI-Workloads erfordern ähnliche Hardware-Anforderungen wie Bitcoin-Mining, bieten aber stabilere Einnahmequellen durch langfristige Verträge mit Technologieunternehmen und Cloud-Anbietern.
Beteiligung an Exaion erweitert KI-Portfolio
Mit einer 64-prozentigen Beteiligung an Exaion positioniert sich Marathon als Anbieter souveräner KI-Lösungen für Unternehmen. Diese Strategie zeigt, wie sich das Unternehmen von einem reinen Bitcoin-Miner zu einem breiteren Infrastruktur-Dienstleister wandelt. Der Fokus liegt dabei auf:
- KI- und HPC-Verarbeitung in neuen Rechenzentren
- Partnerschaften für gemeinsame Entwicklungsprojekte
- Lösungen für souveräne und Unternehmens-KI
- Edge-Computing-Services für industrielle Anwendungen
- Blockchain-basierte Verifizierungssysteme für KI-Modelle
Exaion bringt bereits etablierte Kundenbeziehungen und technische Expertise mit, was Marathon den Einstieg in den lukrativen KI-Markt erleichtert. Das französische Unternehmen hat sich auf energieeffiziente Rechenlösungen spezialisiert und könnte Marathon dabei helfen, seine Energiekosten zu optimieren.
Mining-Branche spaltet sich in verschiedene Überlebensstrategien
Der anhaltende Bitcoin-Abschwung zwingt Mining-Unternehmen zu unterschiedlichen Ansätzen. Während Marathon auf ein Hybridmodell setzt, meldete Konkurrent Hut 8 einen Nettoverlust von 279,7 Millionen US-Dollar und ging einen 7-Milliarden-Dollar-Vertrag für KI-Datenzentren ein. American Bitcoin hingegen hält trotz 59,5 Millionen Dollar Verlust an seiner Mine-and-Hoard-Strategie fest – eine fragwürdige Entscheidung in der aktuellen Marktlage.
Andere Branchenteilnehmer wie Riot Platforms und CleanSpark verfolgen wieder andere Strategien: Riot setzt auf Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen, während CleanSpark aggressiv in neue Mining-Hardware investiert. Diese unterschiedlichen Ansätze spiegeln die Unsicherheit der Branche über die beste Überlebensstrategie wider.
Finanzierungsherausforderungen und Liquiditätslage
Die hohen Verluste stellen Marathon vor erhebliche Finanzierungsherausforderungen. Das Unternehmen verfügte zum Quartalsende über liquide Mittel von 347 Millionen US-Dollar, was bei den aktuellen Verlustraten nur begrenzte Flexibilität bietet. Die geplanten KI-Investitionen erfordern zusätzliches Kapital, das möglicherweise durch Schuldenaufnahme oder Aktienemissionen beschafft werden muss.
Analysten warnen vor einer möglichen Verwässerung für bestehende Aktionäre, sollte Marathon gezwungen sein, neue Aktien zu einem niedrigen Kurs zu emittieren. Die Bewertung des Unternehmens ist seit Jahresbeginn um über 40 Prozent gefallen, was Kapitalmaßnahmen erschwert.
Diversifizierung als Schlüssel zum Überleben
Marathons Transformation spiegelt einen branchenweiten Trend wider: Reine Bitcoin-Mining-Geschäftsmodelle geraten unter Druck, während diversifizierte Infrastruktur-Ansätze an Attraktivität gewinnen. Die Kombination aus traditionellem Mining und zukunftsträchtiger KI-Infrastruktur könnte sich als kluger Schachzug erweisen, wenn die Kryptomärkte weiter schwächeln. Ob Marathon mit dieser Strategie die aktuellen Verluste kompensieren kann, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
Experten sehen in der Diversifizierung die einzige nachhaltige Lösung für Mining-Unternehmen. Der KI-Boom bietet dabei eine attraktive Alternative, da die Nachfrage nach Rechenleistung kontinuierlich steigt und weniger volatil ist als der Bitcoin-Preis. Marathon könnte damit zum Vorreiter einer neuen Generation von Infrastruktur-Unternehmen werden, die sowohl Krypto- als auch KI-Services anbieten.