HSBC hat mit RedCoin einen eigenen Stablecoin für den Massenmarkt gestartet. Seit dem 23. Oktober 2026 wird der an den Hongkong-Dollar gekoppelte Token mit dem Kürzel RCHKD für mehr als 3,3 Millionen Nutzer der Bezahl-App PayMe freigeschaltet. Kunden können damit Geld an andere Nutzer senden und bei mehr als 100.000 Händlern bezahlen. Trotz HSBC als Emittent gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied zum klassischen Bankkonto: RedCoin ist keine Bankeinlage und fällt deshalb nicht unter die normale Einlagensicherung.
Genau diese Unterscheidung dürfte künftig auch für deutsche Bankkunden wichtiger werden, wenn Banken und Zahlungsanbieter eigene Euro-Stablecoins auf den Markt bringen.
HSBC bringt Stablecoin direkt in eine Bezahl-App
RedCoin ist im Verhältnis 1:1 an den Hongkong-Dollar gekoppelt und wird von der Hongkong Monetary Authority reguliert. HSBC erhielt dafür im April 2026 eine der ersten Stablecoin-Lizenzen Hongkongs.
Zum Start ist das System bewusst geschlossen.
| RedCoin | Stand zum Start |
|---|---|
| Kürzel | RCHKD |
| Emittent | HSBC Hongkong |
| Währung | Hongkong-Dollar |
| Verhältnis | 1 RCHKD = 1 HKD |
| Potenzielle PayMe-Nutzer | über 3,3 Mio. |
| Händler | über 100.000 |
| Einlagensicherung | Nein |
| Öffentliche Blockchain | Nein |
RedCoin läuft zunächst auf einer von HSBC kontrollierten Blockchain-Infrastruktur und kann nicht einfach auf eine beliebige externe Wallet übertragen werden.
Später soll der Stablecoin auch in die normale HSBC-Hongkong-App integriert werden. Geplant ist außerdem, dass Kunden damit tokenisierte Anlageprodukte kaufen können, darunter eine neue Anteilsklasse eines Geldmarktfonds.
Stablecoin einer Bank ist trotzdem kein Bankguthaben
Für Verbraucher ist vor allem ein Punkt leicht missverständlich: Ein digitaler Dollar oder Euro einer Bank sieht in einer App möglicherweise fast genauso aus wie normales Kontoguthaben.
Rechtlich kann es trotzdem etwas völlig anderes sein.
Ein klassisches Guthaben auf einem Giro-, Tagesgeld- oder Festgeldkonto ist eine Einlage. In Deutschland sind solche Guthaben grundsätzlich bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt.
Ein Stablecoin ist dagegen ein Token beziehungsweise eine Forderung gegenüber seinem Emittenten.
Vereinfacht:
| 5.000 Euro auf dem Girokonto | 5.000 Euro als Bank-Stablecoin |
|---|---|
| Bankeinlage | Token |
| Einlagensicherung grundsätzlich bis 100.000 € | keine klassische Einlagensicherung des Tokens |
| Forderung aus Bankkonto | Rücktauschanspruch gegen Emittenten |
| Bankrechtliche Einlage | eigenes regulatorisches System |
Solange alles funktioniert, kann der Unterschied für den Nutzer kaum sichtbar sein. Relevant wird er vor allem dann, wenn der Emittent in Schwierigkeiten gerät.
MiCA kennt dafür ein Rücktauschrecht
Für die EU gibt es mit der Markets in Crypto-Assets Regulation, kurz MiCA, inzwischen klare Regeln.
Ein Stablecoin, der ausschließlich den Wert einer amtlichen Währung wie Euro oder US-Dollar abbildet, wird grundsätzlich als E-Geld-Token (EMT) behandelt.
Solche Token dürfen in der EU nur von:
- Kreditinstituten oder
- zugelassenen E-Geld-Instituten
ausgegeben werden.
MiCA verpflichtet den Emittenten außerdem, den Token auf Verlangen des Besitzers jederzeit zum Nennwert zurückzutauschen.
Aus einem Euro-Token soll also wieder ein Euro werden können.
Dieses Rücktauschrecht ist ein zentraler Schutzmechanismus. Es ist aber nicht dasselbe wie die gesetzliche Einlagensicherung eines Girokontos.
Auch Zinsen sind bei E-Geld-Token verboten
Ein weiterer Unterschied betrifft die Rendite.
MiCA verbietet Emittenten und Kryptodienstleistern grundsätzlich, Besitzern eines E-Geld-Tokens Zinsen zu zahlen, wenn diese Vergütung an die Haltedauer des Tokens gekoppelt ist.
Ein regulierter Euro-Stablecoin ist damit nicht als digitales Tagesgeldkonto gedacht.
Seine Funktion liegt vielmehr bei:
- Zahlungen,
- schnellen Überweisungen,
- Blockchain-Abwicklung,
- tokenisierten Finanzprodukten,
- internationalem Zahlungsverkehr.
Wer Geld langfristig parken und verzinsen möchte, nutzt damit ein anderes Produkt als jemand, der einen Stablecoin für Zahlungen oder Abwicklungen hält.
Entscheidend ist die Deckung hinter dem Token
Die fehlende klassische Einlagensicherung bedeutet nicht, dass regulierte Stablecoins ohne Schutzmechanismen auskommen.
HSBC erklärt, RedCoin jederzeit vollständig durch getrennt gehaltene, hochwertige und liquide Vermögenswerte abzudecken. Kunden sollen ihre Token im Verhältnis 1:1 zurücktauschen können.
Für Nutzer ist deshalb vor allem die Qualität der Reserve entscheidend.
Bei einem Stablecoin sollte man prüfen:
- Wer ist der Emittent?
- Welche Behörde beaufsichtigt ihn?
- Wie werden die Reserven angelegt?
- Sind diese Vermögenswerte getrennt verwahrt?
- Gibt es unabhängige Reserveberichte?
- Wie funktioniert der Rücktausch?
- Wie schnell wird ausgezahlt?
Gerade regelmäßige externe Prüfungen sind wichtig. Ein Versprechen über eine vollständige Deckung ist schließlich nicht dasselbe wie ein unabhängig geprüfter Nachweis.
RedCoin zeigt, wohin sich Bankgeld entwickeln könnte
RedCoin ist deshalb weniger wegen seines aktuellen Marktvolumens interessant als wegen der Art seiner Verbreitung.
HSBC bringt einen Stablecoin nicht zuerst auf eine Kryptobörse, sondern direkt in eine etablierte Zahlungs-App mit Millionen Nutzern. Damit verschwimmt für Kunden zunehmend die Grenze zwischen klassischem Bankgeld, E-Geld und tokenisierten Zahlungsmitteln.
Für deutsche Verbraucher wird dadurch eine Frage wichtiger: Was halte ich eigentlich – eine Einlage oder einen Token?
Dass derselbe Bankname auf beiden Produkten steht, beantwortet diese Frage nicht.
Ein Bank-Stablecoin kann stark reguliert, vollständig gedeckt und jederzeit rücktauschbar sein. Trotzdem besitzt er einen anderen rechtlichen Schutzmechanismus als das Geld auf einem klassischen Bankkonto.
Genau das ist die wichtigste Lehre aus dem RedCoin-Start: Nicht die App oder der Name der Bank entscheidet über die Einlagensicherung, sondern die rechtliche Art des Guthabens.