Ripple hat innerhalb weniger Tage mehrere wichtige Erfolge im institutionellen Finanzgeschäft erzielt. Die US-Bankenaufsicht OCC genehmigte die Ripple National Trust Bank endgültig, BNY unterstützt inzwischen die Verwahrung von XRP und RLUSD und Moody’s bewertete den Stablecoin mit Investment Grade. Trotzdem notiert XRP am 29. Oktober bei nur rund 1,31 US-Dollar und verliert auf Tagesbasis etwa zwei Prozent. Der scheinbare Widerspruch hat einen einfachen Grund: Viele der neuen Ripple-Produkte stärken das Unternehmen und den XRP Ledger, erzeugen aber nicht automatisch direkte Nachfrage nach XRP.
Was die neue Ripple-Bank tatsächlich darf
Die Ripple National Trust Bank ist keine klassische Geschäftsbank. Sie wird keine normalen Girokonten anbieten, Kundeneinlagen einsammeln oder gewöhnliche Kredite vergeben.
Von der OCC wurden vor allem drei Aufgaben genehmigt:
- Verwaltung der getrennt gehaltenen Reserven von RLUSD
- Funktion als Treuhänder dieser Reserven zugunsten der RLUSD-Halter
- institutionelle Verwahrung digitaler Vermögenswerte
RLUSD selbst bleibt weiterhin ein Produkt der Ripple-Tochter Standard Custody & Trust Company, die von der New Yorker Finanzaufsicht NYDFS reguliert wird. Die neue National Trust Bank ergänzt diese Aufsicht um eine bundesweite OCC-Ebene.
| Neue Entwicklung | Bedeutung |
|---|---|
| OCC-Zulassung | Ripple erhält eine bundesweit beaufsichtigte Trust Bank |
| BNY | Verwahrung von XRP und RLUSD für institutionelle Kunden |
| Moody’s | RLUSD erhält A2 und P-1 |
| Aviva Investors | Neuer GBP-Fondsanteil auf dem XRP Ledger |
| XRP-Kurs | rund 1,31 USD |
BNY und Moody’s stärken vor allem RLUSD
Besonders interessant ist die erweiterte Zusammenarbeit mit BNY. Die traditionsreiche US-Bank ist bereits primärer Reserveverwahrer von RLUSD und unterstützt nun zusätzlich XRP und RLUSD auf ihrer Digital-Asset-Custody-Plattform.
Institutionelle Kunden können die beiden Assets dadurch innerhalb einer etablierten Bankinfrastruktur halten und übertragen.
Hinzu kommt das neue Moody’s-Rating. RLUSD erhielt ein langfristiges Rating von A2 sowie P-1, die höchste kurzfristige Einstufung von Moody’s. Beide Ratings liegen im Investment-Grade-Bereich.
Moody’s verweist unter anderem auf die hohe Qualität und Liquidität der Reserven. Diese bestehen überwiegend aus kurzfristigen US-Staatsanleihen und Bargeld. Der Emittent strebt zudem eine Reserveabdeckung von 103 Prozent an.
Ganz ohne Einschränkungen fällt die Bewertung allerdings nicht aus. Moody’s weist darauf hin, dass Standard Custody derzeit keine vollständig insolvenzferne Zweckgesellschaft ist und RLUSD-Halter noch keinen direkten Eigentumsanspruch an den Reservewerten besitzen.
Ripple wächst – XRP muss davon aber nicht sofort profitieren
Hier liegt der zentrale Unterschied zwischen Ripple als Unternehmen, dem XRP Ledger und dem Token XRP.
Ripple kann mit Stablecoins, Verwahrung, Treasury-Produkten und Tokenisierung Geld verdienen, ohne dass dafür zwangsläufig große Mengen XRP gekauft werden müssen.
Ein institutioneller Kunde kann beispielsweise RLUSD verwenden und tokenisierte Vermögenswerte über den XRP Ledger übertragen. XRP wird zwar für sehr kleine Netzwerkgebühren benötigt, der dafür erforderliche Betrag ist jedoch minimal.
Auch RLUSD kann direkt für Zahlungen und Abwicklungen genutzt werden. Der Stablecoin benötigt XRP nicht zwingend als Brückenwährung.
Der Nutzen für XRP ist daher eher indirekt:
- mehr institutionelle Nutzer auf dem XRP Ledger
- zusätzliche Liquidität
- mehr Anwendungen und tokenisierte Assets
- mögliche Nutzung von XRP als Bridge Asset
- steigende Bekanntheit und Glaubwürdigkeit des Netzwerks
Das kann langfristig positiv sein. Einen unmittelbaren Kaufzwang für XRP erzeugt es aber nicht.
Sechs Milliarden XRP flossen auf Börsen
Gleichzeitig liefern Onchain-Daten einen möglichen Grund für den schwachen Kurs.
Nach CryptoQuant-Daten wurden in den 30 Tagen bis zum 19. Oktober mehr als sechs Milliarden XRP auf beobachtete Kryptobörsen transferiert – der höchste Wert seit sieben Monaten.
Wichtig: Dabei handelt es sich um Bruttozuflüsse, nicht um sechs Milliarden XRP, die nachweislich verkauft wurden.
Auch die häufig genannte Whale-Zahl benötigt Kontext. Wallets mit mindestens zehn Millionen XRP kontrollieren laut Santiment rund 68,5 Prozent des Angebots, den höchsten Anteil seit 2022. Darunter befinden sich jedoch auch Börsen-Wallets, institutionelle Verwahrer und Ripple-Bestände. Die Zahl bedeutet deshalb nicht, dass eine kleine Gruppe privater Wale plötzlich 68,5 Prozent aller XRP gekauft hat.
Auch die Fed bremst Altcoins
Zusätzlich bleibt das makroökonomische Umfeld schwierig.
Die US-Notenbank ließ ihren Leitzins am 28. Oktober unverändert bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Zwei Mitglieder des FOMC stimmten sogar für eine Erhöhung um 25 Basispunkte. Gleichzeitig erklärte die Fed erneut, dass die Inflation erhöht bleibe.
Das ist kein ideales Umfeld für riskantere Kryptowährungen. Hohe Zinsen machen sichere Anlagen attraktiver und reduzieren tendenziell die Bereitschaft, Kapital in Altcoins zu verschieben.
Ripple-Erfolg ist nicht automatisch XRP-Erfolg
Die Nachrichtenlage für Ripple ist außergewöhnlich stark. Die OCC-Zulassung, BNY, Moody’s und der neue Aviva-Fonds zeigen, dass das Unternehmen im institutionellen Finanzmarkt deutlich vorankommt.
Für XRP-Anleger ist jedoch eine andere Frage entscheidend: Wie viel dieser Aktivität erzeugt tatsächlich Nachfrage nach XRP?
Momentan lautet die Antwort: weniger, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Das bedeutet nicht, dass die institutionelle Strategie für XRP bedeutungslos ist. Ein wachsender XRP Ledger kann langfristig Liquidität und Nutzung des nativen Tokens erhöhen. XRP sichert das Netzwerk allerdings nicht über Staking wie bei Proof-of-Stake-Blockchains; Validatoren benötigen keine XRP-Bestände, um am Konsens teilzunehmen.
Kurzfristig treffen die positiven Ripple-Meldungen daher auf hohe Börsenzuflüsse, schwaches Altcoin-Sentiment und ein restriktives Zinsumfeld. Deshalb kann Ripple geschäftlich eine seiner stärksten Wochen erleben, während XRP gleichzeitig bei rund 1,31 Dollar unter Druck bleibt.