XRP steht Ende Oktober an einer wichtigen technischen Wegmarke. Der Kurs bewegt sich aktuell um 1,31 US-Dollar und damit unter mehreren wichtigen gleitenden Durchschnitten. Ein bärisches Crossover zwischen dem 20- und 50-Tage-EMA erhöht den Druck auf den Token. Ein Absturz unter einen Dollar ist damit allerdings keineswegs beschlossen: Gleichzeitig zeigt ein anderer technischer Indikator ein mögliches Kaufsignal. Entscheidend dürfte zunächst sein, ob XRP die Unterstützungszone um 1,25 Dollar verteidigen kann.
Bärisches Crossover belastet XRP
Am 19. Oktober fiel der 20-Tage-EMA unter den 50-Tage-EMA. Solche Kreuzungen werden von technischen Analysten häufig als Zeichen einer nachlassenden kurzfristigen Dynamik interpretiert.
Aktuell liegt XRP zudem unter mehreren wichtigen Durchschnittslinien:
| Technische Marke | Bereich |
|---|---|
| XRP-Kurs | ca. 1,31 USD |
| 20-Tage-EMA | ca. 1,34 USD |
| 50-Tage-EMA | ca. 1,36 USD |
| 200-Tage-EMA | ca. 1,37 USD |
| Wichtige Unterstützung | ca. 1,25 USD |
Damit wartet zwischen ungefähr 1,34 und 1,37 Dollar eine relativ kompakte Widerstandszone. Erst eine Rückkehr über diesen Bereich würde das kurzfristige Chartbild deutlich verbessern.
Analyst ChartNerd verweist auf ein ähnliches Crossover, das zwischen Mai und August mit einem Rückgang von XRP von ungefähr 1,40 Dollar auf unter einen Dollar zusammenfiel. Übertragen auf den aktuellen Kurs würde ein erneuter Verlust von 30 Prozent XRP in einen Bereich um 0,92 Dollar führen.
Dieser Vergleich ist jedoch rein charttechnisch. Ein früheres Kursmuster ist keine zuverlässige Prognose für die nächste Bewegung.
Warum 1,25 Dollar so wichtig sind
Mehrere Analysten betrachten derzeit die Zone zwischen 1,25 und 1,27 Dollar als entscheidende Unterstützung.
Fällt XRP nachhaltig darunter, würde sich das technische Bild weiter verschlechtern. Ali Martinez sieht in diesem Fall einen möglichen Zielbereich um 0,98 Dollar.
Das würde bedeuten:
- Verlust der wichtigen Unterstützung bei 1,25 Dollar
- erneuter Test der psychologisch wichtigen 1-Dollar-Marke
- rund 25 Prozent Abwärtspotenzial vom aktuellen Kurs
- mögliche zusätzliche Liquidationen gehebelter Long-Positionen
Das Szenario ist allerdings an Bedingungen geknüpft. Ein kurzer Rückgang unter 1,25 Dollar wäre noch kein Beweis für einen dauerhaften Ausbruch nach unten. Entscheidend wäre vor allem ein bestätigter Tagesschluss unter der Unterstützungszone.
Gleichzeitig erscheint ein Kaufsignal
Das Chartbild ist nicht ausschließlich negativ.
Martinez identifizierte im Drei-Tage-Chart ein TD-Sequential-Kaufsignal. Der Indikator versucht, mögliche Erschöpfungspunkte eines bestehenden Trends zu erkennen.
Nach Angaben des Analysten folgten auf die letzten drei vergleichbaren Signale bei XRP Kursanstiege von:
| Früheres Signal | Folgende Bewegung |
|---|---|
| Signal 1 | +31 % |
| Signal 2 | +24 % |
| Signal 3 | +18 % |
Auch diese Statistik garantiert keine erneute Rallye. Sie zeigt aber, warum sich die technische Situation derzeit nicht eindeutig bearish interpretieren lässt.
Hält die Marke von 1,25 Dollar, sieht Martinez zunächst Erholungspotenzial bis etwa 1,40 Dollar. Darüber müsste XRP allerdings die Widerstände zwischen 1,34 und 1,37 Dollar überwinden.
Whale-Aktivität sorgt für zusätzliche Unsicherheit
Auch Onchain-Daten liefern kein vollständig eindeutiges Bild.
CryptoQuant meldete Mitte Oktober ungewöhnlich hohe Zuflüsse großer XRP-Bestände zu Binance. Die kumulierten Whale-Zuflüsse über 30 Tage erreichten demnach rund 1,67 Milliarden XRP und damit ein Siebenmonatshoch. Größere Transfers an Börsen können potenziellen Verkaufsdruck ankündigen, müssen aber nicht zwangsläufig in Verkäufen enden.
Andere Daten zeigen gleichzeitig, dass die gesamten XRP-Reserven einzelner großer Börsen zeitweise zurückgingen. Anleger sollten deshalb aus einzelnen Walletbewegungen keine sichere Verkaufswelle ableiten.
Ripple liefert eigentlich positive Nachrichten
Die schwache Kursentwicklung fällt zudem in eine Phase mit mehreren positiven Unternehmensmeldungen von Ripple.
Am 26. Oktober erhielt das Unternehmen die endgültige Genehmigung der US-Bankenaufsicht OCC für die Ripple National Trust Bank. Ripple kündigte außerdem neue beziehungsweise ausgeweitete Kooperationen mit BNY und Robinhood an.
Bislang haben diese Meldungen allerdings keinen nachhaltigen XRP-Ausbruch ausgelöst. Das unterstreicht, dass positive Nachrichten rund um Ripple nicht automatisch zu einer direkten Nachfrage nach XRP führen.
Zwei Marken entscheiden über die nächste Bewegung
Kurzfristig lässt sich die XRP-Lage deshalb auf zwei Bereiche reduzieren:
Unter 1,25 Dollar: Das Risiko eines Rückgangs Richtung 1 Dollar beziehungsweise 0,98 Dollar nimmt deutlich zu.
Über 1,37 bis 1,40 Dollar: XRP hätte die wichtigen gleitenden Durchschnitte zurückerobert und das bärische Crossover zunächst entschärft.
Das vielzitierte Szenario eines XRP-Kurses unter einem Dollar ist damit möglich, aber keineswegs bestätigt. Der Token steckt aktuell zwischen einer wichtigen Unterstützung und einer dichten Widerstandszone fest. Erst ein klarer Ausbruch aus diesem Bereich dürfte zeigen, ob die Verkäufer weiter die Kontrolle behalten oder sich das neue Kaufsignal durchsetzt.