Der Bitcoin-Kurs hat eine weitere heftige Volatilitätsphase durchlaufen: Ein kurzer Einbruch in Richtung der Marke von 60.000 US-Dollar löste Long-Liquidationen von mehr als 600 Millionen Dollar aus. Damit stellt sich die zentrale Frage, ob die anschließende Erholung eine echte Bodenbildung markiert oder lediglich eine Entlastungsrallye nach einer Bereinigung überhebelter Positionen darstellt.
Bitcoin könnte sich kurzfristig in Richtung 70.000 Dollar erholen
BTC fiel am Donnerstag auf rund 61.300 Dollar, bevor der Kurs um 5,52 Prozent auf etwa 64.690 Dollar zulegte. Die Erholung fiel zeitlich mit Berichten zusammen, wonach Israel und der Libanon die Umsetzung einer Waffenruhe vereinbart hätten – ein Hinweis darauf, wie stark die jüngste Marktbewegung von geopolitischen Faktoren überlagert wurde.
Die volatile Bewegung liquidierte nach Daten von CoinGlass auf rollierender 24-Stunden-Basis Bitcoin-Positionen im Volumen von über 737 Millionen Dollar. Den größten Teil des Schadens trugen die Long-Trader: Mehr als 617 Millionen Dollar an Long-Positionen wurden ausgelöscht. Das verdeutlicht, wie aggressiv bullisch der Markt vor dem Abverkauf positioniert war.
Dennoch ermutigte der kräftige Rebound von 5,52 Prozent einige Marktteilnehmer dazu, einen Boden auszurufen. Der Trader RidaaXBT erklärte, BTC könne eine Entlastungsrallye in die Spanne zwischen 69.000 und 70.000 Dollar vollziehen – was nahelegt, dass der liquidationsgetriebene Ausverkauf die kurzfristigen Verkäufer womöglich erschöpft habe. Der Analyst ZordXBT vertrat eine ähnliche Sichtweise und verwies auf den langen unteren Docht der Bitcoin-Kerze als Zeichen dafür, dass Käufer nahe den Tiefs entschlossen eingestiegen seien.
Gegen diese Lesart positionierte sich der Krypto-Trader Hitman42.eth, der davor warnte, die Bullen könnten zu früh feiern: Die Erholung könne sich letztlich als Falle erweisen, in der bullische Trader gefangen werden.
Bärische Flagge hält Ziel bei 50.000 Dollar im Spiel
Der Wochenchart von Bitcoin zeigt weiterhin einen laufenden Ausbruch aus einer bärischen Flagge (Bear Flag) und hält damit das Risiko eines tieferen Rückgangs in den Bereich zwischen 50.000 und 52.000 Dollar aufrecht. Das Setup folgt auf das Scheitern von BTC, die obere Trendlinie der Flagge zurückzuerobern, wobei steigende Volumina die Abwärtsbewegung zusätzlich untermauern.
Allerdings ist das bärische Szenario nicht bestätigt, solange BTC oberhalb seines einfachen gleitenden 200-Wochen-Durchschnitts (200-Wochen-SMA) bei rund 61.800 Dollar handelt. Diese Marke fungierte in vergangenen Bärenmärkten – darunter 2015, 2018 und 2020 – als wichtige Zyklus-Bodenzone. Eine kräftige Erholung von diesem Niveau würde den Ausbruch aus der bärischen Flagge abschwächen oder potenziell entkräften und BTC in die Position bringen, 70.000 Dollar als nächstes Aufwärtsziel zu testen.
Bereinigung statt Trendwende
Die Datenlage spricht vorerst eher für eine technische Bereinigung als für eine fundamentale Trendwende. Eine Erholung, die zeitlich mit einer geopolitischen Entspannungsmeldung zusammenfällt und auf einer massiven Long-Liquidation aufsetzt, trägt die Handschrift einer Gegenbewegung – nicht zwingend die einer nachhaltigen Bodenbildung. Entscheidend dürfte sein, ob der 200-Wochen-Durchschnitt als Unterstützung hält. Solange dieser Bereich verteidigt wird, bleibt das konstruktive Szenario intakt; ein nachhaltiger Bruch hingegen würde die bärische Flagge bestätigen und den Weg in Richtung der 50.000er-Zone öffnen. Anleger sollten die widersprüchlichen Signale ernst nehmen, statt sich von einem einzelnen kräftigen Tageskerzenschluss leiten zu lassen.
Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Kryptowährungen sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Kursbewegungen können stark schwanken und durch Marktstimmung, regulatorische Entwicklungen sowie makroökonomische Faktoren beeinflusst werden. Anleger sollten eigene Recherchen anstellen und im Zweifel fachkundigen Rat einholen.