Bitcoin-Optionen verfallen: Puts dominieren trotz geringerer Positionen
Der bevorstehende Verfall von Bitcoin-Optionen könnte den Kryptomarkt in eine neue Richtung lenken. Trotz geringerer offener Positionen sind Put-Optionen strukturell besser positioniert als Calls – ein Paradox, das die aktuelle Marktdynamik prägt. Mit einem offenen Interesse von 1,44 Milliarden US-Dollar bei Puts unter 60.000 Dollar dominieren defensive Strategien den Markt.
Struktureller Vorteil der Put-Optionen trotz niedrigerem Volumen
Obwohl das gesamte offene Interesse bei Put-Optionen rund 25 Prozent unter dem der Call-Optionen liegt, zeigt sich auf Detailebene ein anderes Bild. Etwa 88 Prozent der Call-Optionen auf Deribit werden wertlos verfallen, sollte Bitcoin bis Freitag unter 70.000 US-Dollar bleiben. Das wirksame Call-Open-Interest reduziert sich damit auf nur 780 Millionen US-Dollar.
Diese Diskrepanz zwischen nominellem und effektivem Open Interest ist charakteristisch für volatile Märkte. Während Call-Käufer oft auf spektakuläre Kurssprünge spekulieren, konzentrieren sich Put-Inhaber auf realistischere Absicherungsszenarien. Die Verteilung der Strike-Preise zeigt dabei eine klare Präferenz für defensive Strategien.
Die meisten Put-Positionen zielen dagegen auf Preise unter 60.000 US-Dollar ab. Extreme Zielzonen wie 40.000 oder 45.000 US-Dollar sind oft Teil komplexer Spreads, die primär der Absicherung dienen und nicht auf einen massiven Kursrutsch angewiesen sind. Diese Spreads ermöglichen es institutionellen Anlegern, ihre Portfolios kostengünstig abzusichern.
Historische Entwicklung des Optionsmarkts
Der Bitcoin-Optionsmarkt hat sich in den vergangenen zwei Jahren erheblich professionalisiert. Das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen ist von 200 Millionen US-Dollar auf über 800 Millionen US-Dollar gestiegen. Diese Entwicklung spiegelt das wachsende Interesse institutioneller Anleger wider, die zunehmend komplexere Hedging-Strategien einsetzen.
Besonders auffällig ist die Verschiebung hin zu längerfristigen Optionen. Während früher Wochenoptionen dominierten, machen heute Kontrakte mit Laufzeiten von einem Monat oder mehr etwa 60 Prozent des Volumens aus. Diese Entwicklung deutet auf eine reifere Marktstruktur hin.
Korrelation mit Nasdaq 100 verstärkt Technologie-Einfluss
Eine bemerkenswerte Entwicklung ist die 90-prozentige Korrelation zwischen Bitcoin und dem Nasdaq 100. Diese enge Verbindung macht deutlich, dass Schwankungen im Technologiesektor zunehmend die Risikobereitschaft bei Kryptowährungen bestimmen. Der jüngste Bitcoin-Rückgang dürfte daher weniger makroökonomischen Faktoren geschuldet sein als vielmehr den Quartalsergebnissen großer US-Technologiekonzerne.
Diese Korrelation hat weitreichende Implikationen für Risikomanagement-Strategien. Anleger, die Bitcoin als Diversifikationsinstrument betrachteten, müssen ihre Portfolioallokation überdenken. Die gleichzeitige Bewegung von Bitcoin und Tech-Aktien reduziert die Diversifikationsvorteile erheblich.
Führende Handelsplattformen bleiben tonangebend im Optionsmarkt, was auf eine wachsende Konzentration der Handelsaktivitäten bei wenigen großen Akteuren hindeutet. Diese Entwicklung verstärkt die Bedeutung institutioneller Strategien für die Marktrichtung. Deribit kontrolliert weiterhin über 85 Prozent des Bitcoin-Optionshandels.
Preisszenarien für den Optionsverfall am Freitag
Je nach Kursniveau ergeben sich unterschiedliche Vorteile für Put-Inhaber:
- 65.000 – 69.000 US-Dollar: Vorteil für Puts um 1,15 Milliarden US-Dollar
- 69.001 – 71.000 US-Dollar: Vorteil für Puts um 845 Millionen US-Dollar
- 71.001 – 74.000 US-Dollar: Vorteil für Puts um 470 Millionen US-Dollar
Um die Dynamik zugunsten der Käuferseite zu drehen, wäre ein Anstieg von etwa neun Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau von rund 68.800 US-Dollar nötig. Diese Hürde erscheint angesichts der aktuellen Marktlage ambitioniert. Historische Daten zeigen, dass solche Bewegungen in den 48 Stunden vor Optionsverfall nur in etwa 15 Prozent der Fälle auftreten.
Gamma-Squeeze-Risiko und Market Maker-Verhalten
Ein wichtiger Faktor beim Optionsverfall ist das Verhalten der Market Maker. Diese müssen ihre Delta-neutralen Positionen anpassen, was zu verstärkter Volatilität führen kann. Bei der aktuellen Positionsverteilung würde ein Anstieg über 72.000 US-Dollar einen Gamma-Squeeze auslösen können, der den Kurs weiter nach oben treiben würde.
Umgekehrt verstärkt ein Rückgang unter 65.000 US-Dollar den Verkaufsdruck, da Market Maker ihre Short-Positionen in Put-Optionen durch Bitcoin-Verkäufe absichern müssen. Diese Mechanik erklärt, warum Optionsverfälle oft mit erhöhter Volatilität einhergehen.
Defensive Positionierung prägt Marktausblick
Die Kombination aus hohem Put-Volumen und schwacher Preisbasis gibt der Verkäuferseite ein solides Fundament. Selbst bei einer kurzfristigen Erholung bleibt der Druck aus bestehenden Absicherungsstrategien bestehen. Die Risiko-Rendite-Relation spricht klar für defensive Akteure.
Viele neutrale bis optimistische Strategien wurden durch den Rückgang unter 75.000 US-Dollar Anfang Februar kalt erwischt. Diese Erfahrung dürfte das Absicherungsbedürfnis institutioneller Anleger weiter verstärkt haben. Umfragen unter professionellen Tradern zeigen, dass 70 Prozent ihre Hedging-Quote in den vergangenen drei Monaten erhöht haben.
Der bevorstehende Optionsverfall verdeutlicht die neue Realität des Bitcoin-Markts: Trotz geringerer Volumina dominieren Put-Optionen durch ihre strategisch bessere Positionierung. Die enge Verzahnung mit dem Technologiesektor macht Bitcoin anfälliger für externe Einflüsse und verstärkt defensive Tendenzen bei professionellen Akteuren. Diese Entwicklung könnte die Volatilitätsmuster von Bitcoin nachhaltig verändern.